Du liegst im Bett. Im Haus is ruhig, draußen auf da Straße is nix los, dei Handy is stumm g’schaltet. Eigentlich solltest entspannt sein. Stattdessen is er wieder do – der Ton: a tiefes, dröhnendes Brummen, als würd irgendwo in da Ferne a Motor im Stand laufen, direkt hinter deiner Wand, direkt unter deiner Haut. Du stehst auf, gehst durchs Haus, druckst as Ohr ans Fenster, du steckst sogar um 1 in da Fruah den Kühlschrank aus – und kummst da in deinem Pyjama a bissl deppert vor. Der Ton hört ned auf. Weil er ned draußen is. Irgendwie is er überall.
Jahrelang hat man Leit, die dieses seltsame „Brummen“ g’hört haben, g’sagt: Des is Stress, schlechter Schlaf, oder nur Einbildung. Manche haben g’meint, des war geheime Militärtechnik. Andere ham Mobilfunkmasten beschuldigt, 5G, sogar UFOs. Ärztinnen und Ärzte ham oft nur mit den Schultern gezuckt. Freunde ham die Augen verdreht. Und trotzdem hat des Brummen weiter im Hintergrund vibriert – a unwillkommene Tonspur, die niemand abdrehen kann. Jetzt sagt a Gruppe von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, sie hätten endlich rausg’funden, was da passiert – und die Antwort is seltsamer und gleichzeitig menschlicher, als irgendwer erwartet hat.
Des globale Rätsel, des ned still sein wollt
Die G’schicht vom „Hum“ is gleichzeitig urmodern und uralt. Berichte sind aufgetaucht, sobald Zeitungen und Radiosendungen Menschen über größere Entfernungen verbunden haben. Der bekannteste frühe Fall war der „Bristol Hum“ in den 1970ern in Großbritannien, wo Bewohnerinnen und Bewohner über a niederfrequentes Pochen g’jammert ham, des scheinbar aus dem Nichts kummen is. Dann is der „Taos Hum“ in New Mexico in den 1990ern dazu kummen, der „Auckland Hum“ in Neuseeland, der „Windsor Hum“ in Kanada. Gleiche G’schicht, anderer Punkt auf da Landkartn.
Überall, wo er aufgetaucht is, war’s Muster unheimlich ähnlich. Zwischen zwoa und ana von zehn Personen in ana Gegend konnten ihn hören; die meisten anderen ham gar nix bemerkt. Betroffene haben den Ton beschrieben wie an Diesel-Lkw, der vorm Fenster im Stand läuft, oder wie a Flugzeug, des nie landet, oder „wia a Kühlschrank in meinem Schädel“. In da Nacht is er lauter word’n und hat die Stille durchbohrt wie a Generator in da Ferne, den wer vergessen hat abzudrehen. Für manche ham Ohrstöpsel a bissl g’holfen. Für andere gar ned.
Gemeinden ham Tests in Auftrag g’geben, Ingenieure sind mit Mikrofonen herumg’fahren, Akustik-Fachleut ham Vibrationen in Wänden und im Boden g’messen. Die offiziellen Berichte sind immer wieder ergebnislos oder widersprüchlich g’wesen. In ein paar Fällen waren Fabriken, Schiffe oder schwere Maschinen teilweise schuld. Aber selbst wenn die stillg’legt word’n sind, hat a hartnäckiger Kern von Beschwerdeführern das Brummen weiter g’hört. Und da is die G’schicht von a bloßen Nervigkeit in wos Unheimlicheres gerutscht: Was, wenn das Geräusch real is, aber die Quelle überhaupt ned „da draußen“ liegt?
Wie die Wissenschaft endlich g’scheit hing’hört hat
Lange Zeit is der Hum in an komischen Niemandsland zwischen Forum-Fixierung und seriöser Forschung g’legen. Es war leicht, des als Massenhysterie oder als schräge Internet-Legende abzutun. Dann ham Audiologinnen, Neurologinnen und Akustik-Physiker angefangen zu merken, wie konsequent und ähnlich die Berichte sind – ned nur in ana Stadt oder in am Land, sondern über Kontinente, Sprachen und Lebensstile hinweg. So a eigenartig präzise G’schicht kriegst ned gleichzeitig aus Bristol, Bangalore und Boston, wenn ned wirklich wos dahintersteckt.
A Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus Großbritannien, Deutschland und Kanada hat im Stillen Langzeitdaten z’sammeng’führt. Sie ham hunderte Selbstberichte ausgewertet, genaue Hörtests g’macht, Hirnscans und Umweltmessungen durchgeführt. Statt zu fragen: „Welche Fabrik verursacht des?“, ham sie g’fragt: „Welche Art Hirn hört des?“ Und da hat sich a Muster abzeichnet: Der Hum war gar kein einzelnes äußeres Geräusch. Er war a Zusammenstoß – zwischen ana lauten modernen Welt und ein paar Gehirnen, die grad so anders verdrahtet sind, dass sie den Lärm sehr, sehr persönlich nehmen.
Ihre Schlussfolgerung, die jetzt in der Wissenschaft für Aufsehen sorgt, is kühn: Rund 10 % der Menschen sind biologisch eher dafür veranlagt, niederfrequente Umweltgeräusche als an dauernden, inneren Hum wahrzunehmen. Der Ton is real, aber ned so, wie ma dacht ham. Die Welt brummt sowieso dahin. Nur eine Minderheit von Gehirnen macht aus diesem Hintergrundmurmeln a hervorgehobene, unausweichliche „Hauptspur“ statt bloßem Rauschen.
Aus was besteht der Hum eigentlich?
Die tiefen Töne vom modernen Leben
Stell dich auf an ruhigen Hügel und mach die Augen zu. Du glaubst, du hörst nix – aber die Luft is voller langsamer, tiefer Wellen, die die Ohren kaum registrieren: Ozeanwellen kilometerweit weg, weit entfernter Autobahnverkehr, Klimaanlagen, Frachtschiffe, Windparks, sogar feine Veränderungen in der Atmosphäre. Unsre Städte und Stromnetze liefern ihre eigenen Basslinien: Transformatoren, Industrieventilatoren, riesige Lüftungsanlagen. Das meiste davon liegt im Niederfrequenzbereich, unter ungefähr 100 Hz – mehr g’fühlt als g’hört.
Für die meisten Menschen is’s Hirn gnadenlos effizient. Es filtert diese tiefen Rumpelgeräusche raus, behandelt sie wie Tapete. Unser Hörsystem hat sich so entwickelt, dass es sich mehr um mittlere Frequenzen kümmert: Sprache, Schreie, knackende Äste – Dinge, die wichtig waren, wenn ma ned zum Abendessen werden wollt. Der Rest wird abgelegt unter „ignorieren, außer es ändert sich plötzlich“. Den Kühlschrank hörst erst, wenn er aufhört. Die Bahnstrecke merkst erst, wenn die Züge ausfallen.
Was die neue Forschung nahelegt: Bei Hum-Hörerinnen und -Hörern is der Filter-Regler im Hirn nur a Spur daneben. Des is ned einfach „sensibel“ in am schwammigen Sinn. Ihre Hörrinde scheint gleichmäßige niederfrequente Vibrationen zu verstärken und festzuhalten, die andere Gehirne wegschmeißen würden. Die feine, dauernde Schwingung von fernem Verkehr, oder von an Umspannwerk, oder aus dutzenden Haushaltsgeräten gleichzeitig – des wird zu am beständigen, zusammenhängenden Ton. A einziger, wahnsinnig machender Grundton: der Hum.
Im Lautstärkeregler vom Hirn
Und da wird’s noch seltsamer. Hirnscans von Menschen, die den Hum hören, zeigen erhöhte Aktivität ned nur in Hörzentren, sondern auch in Bereichen, die mit Aufmerksamkeit und emotionaler Verarbeitung z’tun haben. Je mehr sie der Ton nervt oder ängstigt, desto mehr „leuchtet“ das Hirn – in ana sich selbst verstärkenden Schleife. Als würd’s Hirn lernen: „Des Geräusch is wichtig, des is a Bedrohung“, und dreht den Regler immer weiter auf.
Manche Wissenschafter vergleichen des mit chronischem Schmerz. Schmerz is lebenswichtig. Aber manchmal feuert das Nervensystem falsch und schreit weiter, lang nachdem die Verletzung verheilt is. Der Hum wirkt wie a Verwandter von dem Phänomen: Das akustische System hängt sich an an konstanten Tiefton und lässt ihn nimmer in den Hintergrund rutschen. Wenn diese Schleife einmal sitzt, is „ignorier’s halt“ so hilfreich wie „ignorier’s, dass da da Zahn weh tut“.
Ein Forscher hat’s mir beschrieben als „auditiver Hyperfokus auf den Subwoofer der Welt“. Die Welt brummt wirklich, rattert, vibriert in tiefen Frequenzen. Die meisten stehen im selben Raum und es is ihnen wurscht. Für a Minderheit sagt’s Hirn: Des is jetzt das Einzige, woran ma denken. Und wenn ma’s einmal so hört, is’s herzzerreißend schwer, es wieder „nimmer zu hören“.
Der seltsame Trost, endlich an Namen zu haben
Wenn du den Hum nie g’hört hast, klingt des vielleicht wie a Nischenkuriosität, a netter Wissenschafts-Artikel, den ma beim Scrollen überfliegt. Für die, die damit leben, kann’s des Leben prägen. Der Schlaf zerbricht in lauter Stückerl. Konzentration wird zur täglichen Verhandlung. Beziehungen werden belastet, weil Partnerinnen, Partner oder Mitbewohner in endlose „Hörst du des ned?“‑Gespräche hineing’zogen werden. Mehr als a Betroffene(r) hat Haus verkauft und is umgezogen – nur um draufzukommen, dass das Brummen treu in die neue Postleitzahl mitgeht.
Wir kennen’s alle: Du liegst wach wegen am zufälligen Tropfen vom Wasserhahn oder weil beim Nachbarn der Bass durch die Wand hämmert. Stell dir vor, des hört nie wirklich auf – es ebbt nur ab und schwillt wieder an, je nachdem wie dein Blutdruck grad is. Manche berichten, dass ihnen bei bestimmten Orten körperlich schlecht wird, als hätt der Ton Gewicht. Andere sagen, sie hätten Freunde verloren, weil „keiner will dein deppertes Brummen schon wieder hören“. Einsamkeit brummt auch – nur auf ana anderen Frequenz.
Drum trifft diese neue Forschung viele so stark: Sie liefert ned nur a Erklärung, sondern a Art Bestätigung. Du bist ned verrückt, du bildest da nix ein, und du bist fix ned allein. Dein Hirn macht messbar wos, wenn du sagst, du hörst dieses Geräusch. Zum ersten Mal is der Hum ka schräge Großstadt-Legende mehr – sondern a anerkannte Wechselwirkung zwischen menschlicher Biologie und der Klangkulisse, die ma uns selber g’baut haben.
Jenseits von Aluhüten: Servus Verschwörung, hallo Komplexität
Seien ma ehrlich: „geheime Regierungswaffe“ kriegt immer mehr Facebook-Teiler als „komplexes neuro-akustisches Phänomen“. Der Hum zieht Verschwörungstheorien an wie Motten ans Licht. Es hat Behauptungen geben über U‑Boot-Kommunikationssysteme, unterirdische Basen, HAARP‑Anlagen, Gedankenkontrolle. Ein Teil davon kommt aus echter Angst, anderes aus dem sehr Online‑Vergnügen, aus jedem Rätsel a große Verschwörung zu machen.
Die Wissenschafter hinter der neuen Arbeit tun diese Leute ned einfach ab. Sie weisen auf was still Kraftvolles hin: Wenn dich a Ton halb narrisch macht, aus dem du ned rauskommst, und sonst niemand scheint ihn zu hören – natürlich greift dein Hirn nach großen Erzählungen. Ma mag Feinde, auf die ma zeigen kann: a Basis, a Milliardär, a dubiose Behörde. Unsichtbare Hirnfilter und feine Niederfrequenzmuster sind ka befriedigenden Schurken.
Was die Evidenz zeigt, is aber g’radlinig gesagt: a G’schlamperl und sehr menschlich. Manche lokalen Hums – wie der in Windsor in Kanada – hatten wirklich starke industrielle Quellen: dort a Stahlwerk und Güterbetrieb. Das Stilllegen hat Beschwerden reduziert. Trotzdem ist sogar in Windsor bei einer Teilgruppe a Restbrummen geblieben, lang nachdem die großen Maschinen ruhig waren. Es gibt ned die eine Ursache – es is a schmutzige Duett-Nummer zwischen Umgebung und Wahrnehmung. Zwischen der Welt und der Zuhörerin, dem Zuhörer.
Das neue Bild killt das Rätsel ned; es verschiebt’s nur. Statt „Welche Maschine tut uns des an?“ wird’s zu „Warum stimmen sich manche Gehirne stärker auf die tiefen Noten vom Universum ein als andere?“ Des Geheimnis sitzt weniger in geheimen Laboren als in den Falten unserer eigenen grauen Substanz.
Was kannst überhaupt tun, wenn du’s hörst?
Praktische Tricks für an unpraktischen Ton
Also: Du bist eine(r) von den Unglücklichen – oder komischerweise Begabten, je nachdem wie ma’s sieht – 10 %. Du hörst den Hum, oder was sehr Ähnliches. Und jetzt? Die Wissenschafter ham ka Wunderpille aus dem Hut g’zaubert, aber sie sehen langsam, was hilft.
Niederfrequenter Schall is hartnäckig. Ohrstöpsel blockieren ihn ned; oft wirkt er dann sogar stärker, wie wenn ma die Tür zumacht und auf einmal den Kühlschrank erst recht wahrnimmt. Was besser zu funktionieren scheint, is sanftes Maskieren: leise Ventilatoren, Pink‑Noise‑Apps, sogar ruhige Musik mit a bissl Bass. Die Idee is ned, den Hum komplett zu ersäufen, sondern dem Hirn was Interessanteres zu geben, woran es sich festhalten kann – und ihm zu zeigen, dass ned jedes konstante Geräusch a Gefahr is.
Manche Ambulanzen probieren Therapien aus, die ma von Tinnitus-Behandlung kennt: Sound‑Training, Achtsamkeit, sogar kognitive Verhaltenstherapie, um die enge Verbindung zwischen Hum und Stressreaktion zu lockern. Erste Ergebnisse deuten drauf hin: Du kannst ihn vielleicht ned „abschalten“, aber du kannst dein Hirn trainieren, dass es weniger drauf anspringt. Klingt ned glamourös – aber für wen, der seit drei Jahren nimmer g’scheit schlaft, is „weniger drauf anspringen“ a kleines Wunder.
A leisere Art von Hoffnung
Es gibt a soziale „Kur“ auch, wenn’s ned perfekt is: dass ma dir glaubt. Mehr Ärztinnen und Ärzte wissen inzwischen, dass der Hum ned nur Internet-Blödsinn is. Audiologinnen stellen andere Fragen – ned nur „Gibt’s ein Geräusch?“, sondern „Wie reagiert dein Hirn auf das Geräusch, das du wahrnimmst?“ Selbsthilfegruppen, online und vor Ort, tauschen Tipps und kleine Siege aus. Das nimmt Stück für Stück dieses isolierende Gefühl, dass ma die einzige Person is, die mit der schlimmsten Hintergrundmusik der Welt verflucht is.
Eine der tiefsten Veränderungen, die diese Entdeckung bringt, is irgendwie emotional: Sie lässt Menschen von „Warum tut mir die Welt des an?“ zu „So treffen mein Hirn und diese Welt aufeinander“ wechseln. Es is a feines, aber starkes Umdenken – weniger Schuldfrage, mehr Verstehen. Die Welt wird vielleicht weiter brummen, dein Hirn wird vielleicht weiter reinhören, aber jetzt gibt’s a gemeinsame Sprache dafür – und a wachsende Community von Menschen, inklusive Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, die endlich zurückhören.
Das Brummen unter allem
Wenn ma a Schritt zurückgeht, fühlt sich die G’schicht vom Hum fast an wie a Gleichnis fürs moderne Leben. Wir ham a Zivilisation g’baut, die nie wirklich ganz runterfahrt. Schiffe queren Ozeane rund um die Uhr, Rechenzentren pulsieren in anonymen Gebäuden, Ventilatoren drehen in unsichtbaren Kellern. Das niederfrequente Dröhnen unserer Spezies rollt um den Globus, prallt an Bergen, Meer, Wolken und Beton ab. Die meisten von uns gleiten da durch, ohne es zu merken. A paar können gar ned anders, als den Preis dieser dauernden Bewegung zu hören.
Da steckt a seltsame Poesie drin: der Planet brummt vor menschlicher Aktivität, und a Teil der Menschheit is verdammt – oder auserwählt – sein widerwilliges Publikum zu sein. Vielleicht sind sie auf ihre Art die Kanarienvögel im akustischen Bergwerk und schlagen Alarm, dass Klanglandschaften unsere Köpfe stärker formen, als ma glauben. Vielleicht erinnern sie uns einfach dran, dass Wahrnehmung ka saubere Einheits-Einstellung is; es is a Spektrum – und an den Rändern fühlt sich die Welt ganz anders an.
Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die dieses neue Verständnis vom Hum z’sammeng’steckt haben, ham ned alles gelöst. Sie ham nur die Tür an Spalt aufgemacht und Licht in an Raum gelassen, in dem Menschen seit Jahrzehnten herumtappen. Irgendwo liegt grad wer wach und hört dieses tiefe Dröhnen – und fühlt sich a bissl weniger allein, weil’s endlich an Namen gibt, an Grund, a G’schicht, die Sinn macht. Und während die Welt weiter brummt, könnt die eigentliche Frage die sein: Jetzt, wo ma wissen, wie tief unser Lärm in unsere Köpfe reichen kann – was hören wir sonst noch, ohne’s überhaupt zu merken?
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