Auf dem Blatt: Manderln mit runden Köpfen, a schiefes Haus, vielleicht a Sun, die mehr nach am Omelett ausschaut als nach am Stern. Du grinst, sagst „ur lieb“, hängst es am Kühlschrank auf … und gehst dann weiter. Was in dem Moment kaum wer sagt: So a klanes Gekritzel könnt ziemlich viel über des spätere Berufsleben von dem Kind erzählen – fünfundzwanzig Jahre später.
An einem Vormittag in einer Volksschule in Leeds hockt a Klasse von Vierjährigen über weißen Blättern. Die Aufgabe is simpel: „Zeichne a Person.“
Ka Hinweis, ka Vorlage, nur bunte Stifte mitten am Tisch. Manche Kinder kritzeln in dreißig Sekunden a Strichmanderl hin, andere lassen sich Zeit, malen Schuach, Haar, Finger dazu. Im Moment wirkt nix Besonderes dran.
Fünfundzwanzig Jahre später finden Forscherinnen und Forscher, die genau diese Kinder weiterverfolgt haben, aber a auffällige Korrelation zwischen den unbeholfenen Zeichnungen und dem beruflichen Erfolg der Erwachsenen, die’s geworden sind. A Korrelation, die so treffsicher wirkt, dass sie fast a bissl unheimlich is.
Die überraschende Verbindung zwischen Strichmanderl und späterer Karriere
Das Entscheidende is ned, ob die Zeichnung „schön“ is.
Britische Forschende, die über 7.000 Kinder begleitet haben, zeigen: Der stärkste Vorhersagefaktor sind die Details am menschlichen Körper. Je mehr ein vierjähriges Kind a Person mit klar unterscheidbaren Teilen zeichnet – Kopf, Rumpf, Arme, Beine, Finger, manchmal sogar Hals oder Knie – desto eher findet man beim Erwachsenen später höhere kognitive Fähigkeiten und oft a stabilere, besser bezahlte Laufbahn.
Das is ka akademische Kunst. Es geht um die Fähigkeit, den menschlichen Körper im Kopf zu ordnen, ein inneres Bild in Bewegung umzusetzen und dabei Aufmerksamkeit, Koordination und Absicht zusammenzuhalten.
In der großen Studie vom Team am King’s College London haben die Kinder nur an Bleistift kriegt und die Aufforderung, „a Manderl“ zu zeichnen.
Dann wurden die Zeichnungen nach einem genauen Schema bewertet: ein Punkt pro korrekt dargestelltem Körperteil, bis zu 12 Punkte. A Kopf? Ein Punkt. Zwei Arme? Zwei Punkte. Zehn Finger halbwegs ordentlich? Noch mehr.
Fünfundzwanzig Jahre später, als diese Kinder als Erwachsene wirklich im Berufsleben angekommen sind, hatten jene mit den höchsten Zeichnungs-Scores im Schnitt bessere Ergebnisse bei kognitiven Tests, höhere Abschlüsse, mehr Verantwortung oder Jobs, die viel Selbstständigkeit verlangen.
Kaum wer hätt’ erwartet, dass a Manderl mit vier Jahren irgendwann einmal mit einem Lebenslauf „mitredet“.
Auf den ersten Blick schaut das nach Magie aus. In Wirklichkeit misst diese Zeichnung mehrere Dinge auf einmal.
Um an stimmigen Körper darzustellen, muss a Kind visuelles Gedächtnis, Proportionen, Feinmotorik und auch a Art Planung einsetzen: Womit fang i an, was kommt dazu, wie verbind i die Teile. Diese Fähigkeit, a mentales Bild zu strukturieren, findet sich später oft wieder darin, wie wer an Projekt, a komplexes Problem oder a Strategie angeht.
Die Forschenden betonen: Das Zeichnen „macht“ den Erfolg ned – es zeigt a kognitive Basis, die schon da is. A Signal, ka in Kreide gemeißeltes Schicksal. Und genau da wird’s für Eltern, Lehrkräfte – und ehrlich gesagt für alle, die sich fragen, ob sie in der Kindheit „was versäumt“ haben – wirklich spannend.
Was Eltern und Lehrkräfte heute tatsächlich tun können
Wenn a einfaches Manderl fünfundzwanzig Jahre weiter a Schatten werfen kann, dann is der Spielraum größer, als ma glaubt.
Eine der wirksamsten Methoden, die man in Klassen sieht, die solche Fähigkeiten fördern, nennt sich sinngemäß „geführtes Zeichnen, freie Sprache“. Man bittet das Kind, a Person zu zeichnen, und stellt dann ganz einfache Fragen: „Wo san die Arme? Hat er Knie? Was hat er an die Füß an?“
Es geht ned ums Korrigieren, sondern ums Unterstützen der inneren Vorstellung. Das Kind sucht, ergänzt, verbessert. Man verlangt ka Meisterwerk – man lädt es ein, genauer zu zeichnen, was es im Kopf sieht. Dieser kleine Dreh verändert alles: Die Zeichnung wird mehr zu a Denkübung als zu am Talent-Test.
Daheim kann das fast banal sein: a Blatt, a paar Stifte, fünf Minuten nach dem Essen.
Du sagst zum Kind: „Zeichn di als Superheld“ oder „Zeichn wen aus der Familie, aber sag ned, wer’s is – i rat dann.“
So a Spiel aktiviert dieselbe Mechanik wie in der Studie: Das Kind erkundet Körperform, Gewand, Besonderheiten. Du kannst Details bemerken und nachfragen, aber ohne dass es zur Anatomie-Stund wird. Und wenn dein Kind grad lieber Strichmanderln zeichnet, is das ka rotes Warnsignal. Die Forschenden sagen klar: Es gibt große individuelle Unterschiede, und die Umgebung spielt lang a Rolle. Und ehrlich: Ka Mensch macht das wirklich jeden Tag. Die Idee is, regelmäßig Gelegenheiten zu säen – ned a Kästchen auf einer Eltern-Checkliste abzuhaken.
Ein Schulpsychologe, den i einmal in einer Schule in Manchester getroffen hab, hat zu mir gsagt:
„I schau mir die Zeichnungen ned an, um zu prophezeien, wer einmal Geschäftsführer wird. I schau, wie a Kind denkt, zusammensetzt, sich was vorstellt. Der spätere Job is nur eine von vielen möglichen Folgen.“
Damit ma das Wissen in einfache Handgriffe übersetzt, helfen ein paar Leitlinien:
- Mehrmals im Monat „Menschen zeichnen“ anbieten – ohne Noten, ohne Urteil.
- Details ermutigen („Und die Händ – wie schaun die aus?“).
- Das Kind erklären lassen, was es gezeichnet hat, auch wenn’s schräg klingt.
- Aufgaben variieren: „zeichn di“, „zeichn an Freund“, „zeichn wen, der arbeitet“.
- Im Kopf behalten: Jede Zeichnung is a Momentaufnahme vom Denken – ka Urteil über die Zukunft.
Neu nachdenken, was kindliches „Talent“ wirklich bedeutet
Was diese Manderl-Gschicht zeigt, is weniger a Rezept für Erfolg als a Perspektivenwechsel.
Man redet oft über Kinder, die „begabt“ san in Mathe, Sprache oder Sport. Man übersieht leicht jene, die ewig brauchen, um Schuach, Augenbrauen oder Jackentaschen zu zeichnen. Genau die trainieren vielleicht grad a Schlüsselkompetenz: a komplexes Bild im Kopf halten und es Schritt für Schritt aufs Papier bringen. Viele Ingenieurinnen, Architekten oder Designer erzählen, dass sie als Kinder gern Figuren, Roboter oder komplizierte menschliche Silhouetten gezeichnet haben. Das hat wenig mit dem Klischee vom „Wunderkind“ zu tun – und viel mit der Gewohnheit, die Welt genau zu zerlegen.
Was Forschende auch irritiert: Wie sehr dieser simple Test mit viel technischeren Messungen mithalten kann.
A Zeichnung mit vier Jahren verrät ned, welches Gehalt wer später hat oder welchen konkreten Job. Aber sie „trifft“ besser als erwartet, wer leichter durchs Bildungssystem kommt und wer sich in Berufen wohlfühlt, die Planung, Abstraktion und Flexibilität verlangen.
Und wenn du ned so a Kind warst? Das sagt nix über deinen Wert oder deine Möglichkeiten. Wie immer in der Psychologie geht’s um Tendenzen in großen Gruppen, ned um persönliches Schicksal. Spannend is das Thema, weil es den Blick wieder auf die winzigen Gesten der Kindheit lenkt – auf das, was Erwachsene oft mit einem „eh lieb“ abtun und dann weitergehen.
Wenn dir das nächste Mal a Kind a Manderl zeigt mit viel zu langen Beinen und riesigen Händ, wird vielleicht kurz a anderer Moment entstehen.
Hinter den unsicheren Strichen steckt a Art zu denken, a beginnende mentale Architektur, a Verhältnis zum Körper und zum Raum, das grad mit dem Stift in der Hand gebaut wird. Das is ka Kristallkugel – zum Glück. Aber es is a leiser Hinweis: Große berufliche Wege entscheiden sich ned nur in Uni-Hörsälen oder in glänzenden Open Spaces. Sie beginnen auch an einem klebrigen Kantinentisch – mit einem angeknabberten Bleistift und einem Manderl, das zu groß fürs Blatt is.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leserinnen und Leser |
|---|---|---|
| Die Zeichnung vom menschlichen Körper mit 4 | Anzahl und Stimmigkeit der Körperteile sagen gewisse kognitive Fähigkeiten eher voraus | Verstehen, was Kinderzeichnungen wirklich verraten |
| Ein einfacher Test, 25 Jahre begleitet | Britische Studien verknüpfen Zeichnungs-Score mit Bildungs- und Berufserfolg | „Kleine“ Kindheitsgesten besser einordnen |
| Konkrete Schritte daheim | Geführte Zeichen-Spiele, Fragen zu Details, freie Gespräche über das Bild | Aus einem banalen Moment ein stilles Denk-Training machen |
FAQ
- Heißt a „schlechtes“ Bild, dass mein Kind später Probleme haben wird?
Überhaupt ned. Diese Studien reden von Tendenzen in großen Gruppen, ned von individuellen Schicksalen. A Zeichnung is a Foto von einem Moment – ka Urteil über die Zukunft.- Soll i mein Kind öfter Menschen zeichnen lassen?
Ja – wenn’s a Spiel bleibt. Figuren zeichnen fördert visuo-räumliches Denken, Sprache und Planung, vor allem wenn ihr gemeinsam über Details redet.- Geht’s da um künstlerisches Talent?
Nein. Die Forschenden schauen auf Struktur, ned auf die „Schönheit“ vom Strich. Entscheidend san die dargestellten Körperteile und die Stimmigkeit, ned Stil oder „Talent“.- Können Erwachsene ähnliche Fähigkeiten später noch verbessern?
Ja. Beobachtungszeichnen, schnelle Skizzen und Handskizzen/Diagramme trainieren weiterhin Aufmerksamkeit, visuelles Gedächtnis und die Fähigkeit, Information zu ordnen.- Sollen Schulen Kinder mit so einem Test bewerten?
Nur mit Vorsicht. Als Beobachtungsinstrument unter mehreren: ja. Als Etikett oder Filter, um die Zukunft eines Kindes vorherzusagen: nein.
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