Auf einem grauen Jännernachmittag 2025, irgendwo zwischen dem Wasserkocher, der grad aufkocht, und den Kindern, die sich um die Fernbedienung streiten, hat sich in tausenden britischen Haushalten ein leiser kleiner Skandal abgespielt. Kein politischer, kein Promi-Skandal, sondern ein Energie-Skandal – so einer, der erst auffällt, wenn die Rechnung im Postkastl landet und man im Vorhaus steht und vor sich hin murmelt: „Wie bitte kann des so hoch sein?“ Wir haben’s auf die Heizung geschoben, auf zugige Fenster, auf Teenager, die glauben, Licht is Deko und muss für immer anbleiben. Aber diesen Winter haben Energieprüfer im ganzen Land ihre Taschenlampen auf was anderes gerichtet. Auf was Kleines. Auf was, das im Hintergrund vor sich hin brummt. Und es stellt sich heraus: Dieser vergessene Hausgast ist still und heimlich für 12 % von unserem unnötigen Winter-Stromverbrauch verantwortlich. Das Seltsamste dran? Die meisten von uns gehen zehnmal am Tag dran vorbei und schauen nicht einmal richtig hin.
Der Winter-Check, auf den niemand vorbereitet war
Energie-Checks sind normalerweise so was, wovon man nur hört, wenn der Vermieter was erwähnt – oder wenn im Büro eine Mail kommt, dass bitte alle über Nacht die Bildschirme abschalten sollen. Langweilig, technisch, voller Zahlen und Diagramme, die ausschauen, als wären sie aus dem Fiebertraum von einem Buchhalter entkommen. Und trotzdem hat dieser nationale Winter-Check – zusammengetragen von einer Mischung aus Energieunternehmen, Regierungsberater:innen und ein paar lauten Forscher:innen – einen Nerv getroffen. Nicht, weil die Zahlen hoch waren (des haben wir eh schon gewusst), sondern weil eine kleine Zeile im Bericht angedeutet hat, dass unsere Wohnungen uns auf die banalste Art verraten.
Mitten in der Zusammenfassung war ein Satz vergraben, der ein paar Journalist:innen – mich eingeschlossen – plötzlich aufrechter sitzen hat lassen: „Ein häufig übersehenes Gerät verursacht schätzungsweise 12 % des unnötigen Winter-Stromverbrauchs in britischen Haushalten.“ Kein Name, kein Zeigefinger – nur das. Ein Gerät. Zwölf Prozent. „Unnötig.“ Des Wort trifft. Heizen kann man argumentieren, Warmwasser auch, sogar die Lichterkette, die im Februar noch im Fenster hängt, kann man sich schönreden. Aber „unnötig“ fühlt sich an wie Wasser laufen lassen beim Zähneputzen und zuschauen, wie’s im Kreis runterrinnt – Münze für Münze.
Die Forscher:innen haben gewusst, dass die Leute zuerst an die üblichen Verdächtigen denken: Fernseher im Standby, die Konsole, die nie schläft, eine Parade an Ladegeräten, die „nur für alle Fälle“ steckt. Kostet natürlich alles Geld. Aber diesmal waren’s nicht die Hauptbösewichte. Die Daten haben in eine kältere, leisere und irgendwie persönlichere Richtung gezeigt – dorthin, wo die meisten von uns nie wirklich abschalten.
Der leise Stromfresser in der Ecke
Der Übeltäter, laut dem 2025er Check, ist etwas schmerzhaft Alltägliches: der zweite Kühlschrank oder Tiefkühler. Der alte Unterbau-Kühlschrank in der Garage „für den Weihnachts-Überhang“. Die Truhe im Schuppen „für Batch Cooking“. Der hohe Kühl-Gefrier-Kombi im Wirtschaftsraum, der – wenn wir ehrlich sind – halb voll ist mit Dingen, die wir vergessen haben, dass wir sie überhaupt besitzen. Es geht nicht darum, dass Kühlschränke und Tiefkühler „böse“ sind. Wir brauchen sie, sie sind beruhigend, sie machen modernes Leben möglich. Das Problem ist das Extra-Gerät. Das vergessene. Das, das in den kalten Monaten weiter vor sich hin summt, ohne dass wer wirklich fragt, warum’s noch immer da ist.
Der Bericht schätzt, dass inzwischen rund ein Drittel der britischen Haushalte über den Winter mehr als ein Kühlgerät laufen hat. Dieses zweite oder dritte Gerät steht oft in den kältesten, am wenigsten geliebten Ecken: feuchte Garage, zugiger Wirtschaftsraum, irgendein Anbau, der im Wind klappert. Das sind keine Orte, die für Gemütlichkeit gebaut wurden. Man geht rein, nimmt was, geht wieder raus und zieht den Pulli enger. Drinnen macht das Gerät das Gegenteil. Es kämpft gegen die Kälte draußen, hält die Kälte drinnen konstant und schaltet den Kompressor Tag und Nacht ein und aus.
Technisch sind Kühlschränke und Tiefkühler effizienter als früher. Auf den Pickerln schreit alles nach A++ und Eco-Modus und „smarten“ Kompressoren. Aber die Daten aus dem Check sind ziemlich direkt: Sobald ein zweites Gerät dazukommt – besonders ein älteres oder billigeres Modell – kann der Winter-Stromverbrauch um 8–15 % steigen, ohne dass man’s groß merkt. Rechnet man das aufs ganze Land hoch, plus die Leute, die jeden Dezember noch einen Tiefkühler anstecken und ihn nie wieder abstecken, kommt diese unangenehme Zahl raus: rund 12 % unnötiger Winterverbrauch hängen an Kühlgeräten, über die wir kaum nachdenken.
Nicht der Bösewicht, den wir erwartet haben
Viele haben geglaubt, der große Streaming-Fernseher im Wohnzimmer wird’s ausbaden. Der Bericht zeigt schon, dass Standby und endloses Durchscrollen durch Serien was ausmachen – aber das ist nicht der heimliche Haupttäter. Der zweite Kühlschrank oder Tiefkühler ist so ein perfekter Bösewicht, weil er sich nicht wie einer anfühlt. Er ist nützlich. Praktisch. Er hält die Notfall-Pizzen, das Eis, das man „für die Kinder“ aufhebt, die Reste, die man ganz fix zu einem glamourösen Mittagessen unter der Woche machen wird.
Es hat was Beruhigendes zu wissen, dass irgendwo immer „noch was extra“ zu essen ist. Ein voller Tiefkühler fühlt sich an wie stille Sicherheit. Für manche Familien – besonders bei wenig Einkommen oder unregelmäßiger Arbeit – ist dieser zusätzliche Stauraum tatsächlich eine Lebenslinie: Großpackungen, -25%-Pickerl, Portionen einfrieren, damit nix schlecht wird. Diese Seite gehört dazu, und der Bericht erkennt das auch leise an. Die Verschwendung ist nicht nur die Maschine; es ist der Moment, wo das Gerät zum kalten Museum von „Zeug, das wir nie gegessen haben“ wird – 24/7 betrieben mit Strom, den sich eh keiner wirklich leisten kann.
Die emotionale Logik vom zweiten Kühlschrank
Energieprüfer lieben Kilowattstunden und Kurven. Haushalte nicht. Wir leben nach Gefühl, Gewohnheit, alten Ängsten und einer geerbten Sparsamkeit, die manchmal genau das Gegenteil bewirkt. Redet man mit Leuten über ihren Zusatz-Kühlschrank oder Tiefkühler, kriegt man selten eine technische Antwort. Man kriegt eine Geschichte. „Den haben wir gekauft, wie die Mama zu uns gezogen ist.“ „Den haben wir für Weihnachten gebraucht.“ „Während dem Lockdown haben wir mit Batch Cooking angefangen und dann ist’s halt geblieben.“ Einmal aufgestellt, rutschen diese Geräte in den Hintergrund – wie ein Familienmitglied, das nicht viel sagt, aber immer im Raum ist.
Da steckt auch eine Generationenlinie drin. Viele ältere Brit:innen sind mit echter Knappheit aufgewachsen, Rationierung noch im kollektiven Gedächtnis, oder zumindest als Echo davon. Ein gut gefüllter Tiefkühler ist kein Luxus, sondern Sicherheit. Für jüngere Haushalte geht’s mehr um Bequemlichkeit und Lifestyle: vorgekochte Fitness-Mahlzeiten, gefrorene Beeren für Smoothies, der Großeinkauf, der damals logisch war. Beide Logiken treffen sich in derselben brummenden Kiste in der Garage. Und kaum wer fragt sich, ob der Februar wirklich zwei große Kühlgeräte braucht, die rund um die Uhr laufen – für eine Dreier-Familie.
Wir kennen alle diesen Moment: man zieht eine Lade im Tiefkühler auf und erkennt die Hälfte nicht. Eingefrorene Plastikboxen ohne Beschriftung. Ein mysteriöser Sack mit irgendwas, das Suppe sein könnte oder Curry. Hinten ein Betonklotz aus Erbsen, der ausschaut, als hätte er seit der vorletzten Regierung dort gelebt. Diese leise Schuld – dieses „Ich sollt mich drum kümmern“ – ist ein Teil davon, warum diese Geräte nie wirklich „menschlich“ geprüft werden. Es ist leichter, die Lade zuzumachen, die Tür zu schließen, und den Kompressor wieder surren zu lassen – so leise, dass man’s fast nimmer hört.
Wenn Sparsamkeit sich gegen uns dreht
In den Zahlen steckt eine bittere Ironie: Viele schaffen sich einen zweiten Tiefkühler an, um Geld zu sparen. Großeinkauf, große Portionen vorkochen, Reste einfrieren – klingt verantwortungsvoll, fast tugendhaft. Der Check zeigt ein schrägeres Bild: Wenn man die Kosten fürs Durchlaufenlassen über den Winter einrechnet, schmilzt ein guter Teil dieser „Ersparnis“ dahin. In Haushalten mit wenig Nutzung ist der Tiefkühler am Ende sogar teurer im Betrieb, als das Essen drin wert ist, bis es irgendwann gegessen wird.
Und ehrlich: Fast niemand macht wöchentlich die Tiefkühler-Inventur, die Energie-Ratgeberkolumnen so nett empfehlen. Man soll rotieren, beschriften, planen, abtauen. Das echte Leben läuft nicht so. Kinder werden krank, die Arbeit wird später, irgendwer bestellt doch Take-away, obwohl man das Chili kochen wollte. Essen stapelt sich, rutscht nach hinten, wird überdeckt. Das Gerät brummt brav weiter und versucht, das Chaos konstant bei -18 °C zu halten. Die Absicht war sparsam; das Ergebnis ist eine Mischung aus Verschwendung, Verwirrung und einer Stromrechnung, der gute Absichten wurscht sind.
Die 12 %, die sich unangenehm persönlich anfühlen
Statistiken wirken abstrakt, bis sie in deiner Küche landen. Die 12 % aus dem Bericht kommen aus der Auswertung von Smart-Meter-Daten, kombiniert mit Vor-Ort-Checks und Gerätebefragungen in ein paar tausend Haushalten quer durch Großbritannien. Als die Prüfer die Verbrauchsmuster kartiert haben, ist im Winter ein klarer „Buckel“ aufgetaucht, der sich nicht vollständig mit Heizung, Warmwasser oder Licht erklären ließ. Dieser Extra-Buckel hat fast perfekt zu Haushalten gepasst, die angegeben haben, ein zusätzliches Kühlgerät zu besitzen – besonders ältere, weniger effiziente Modelle in kalten oder schlecht gedämmten Räumen.
Ein Detail im Bericht ist mir hängen geblieben: Die Prüfer haben das Klicken der Kompressoren in kalten Garagen notiert, wenn Türen auf- und zugegangen sind. Ein dumpfer Schlag, eine feine Vibration im Beton. Ein:e Forscher:in hat das als „Herzschlag verschwendeter Watt“ beschrieben. Ein bissl dramatisch vielleicht, aber wenn man nachts in einem dunklen Wirtschaftsraum steht und dieses tiefe mechanische Seufzen hört, versteht man, was gemeint ist. Unsere Häuser sind voll mit kleinen, unbemerkten Rhythmen, die still und heimlich unsere Rechnungen formen – und darüber hinaus unser Energiesystem insgesamt.
Auf Ebene des Stromnetzes sind diese 12 % unnötiger Winterverbrauch nicht nur Geld. Sie füttern die Spitzenlast an kalten Abenden: wenn überall gleichzeitig die Heizungen anspringen, der Backofen läuft – und ja, wenn eine Million Garagen-Tiefkühler ihren kleinen Tanz aufführen. Je mehr Druck aufs Netz, desto mehr Reserveerzeugung braucht’s, oft aus fossilen Quellen. Also kostet dich die einsame Tiefkühltruhe voller vergessener Grillware nicht nur privat was. Sie schiebt die Emissionen des Landes ein Stückerl nach oben – ganz anders, als es irgendwer beabsichtigt hat, als man das Gerät „nur für Weihnachten 2016“ angesteckt hat.
Kleine Handgriffe, peinliche Wahrheiten
Was macht man mit so einem Befund? Die Autor:innen empfehlen die übliche Mischung aus politischen Schubsern und höflichen Tipps: bessere Kennzeichnung, Kampagnen, vielleicht Anreize, alte Geräte einzutauschen. Alles sinnvoll. Aber die spannendere Veränderung passiert vielleicht im ganz Kleinen, im Gespräch zu zweit. Ein Paar, das an einem Sonntag vor dem zweiten Tiefkühler steht und fragt: „Brauchen wir den echt den ganzen Winter?“ Eine Studentin, die den kaum genutzten Mini-Kühlschrank in der WG anschaut und beschließt, dass der von November bis März abgesteckt werden kann.
Eine entwaffnend einfache Empfehlung ist hinten im Bericht versteckt: ein „Winter-Abschalt-Check“. Einmal im Jahr, ideal im Oktober, sollen Haushalte eine Runde drehen und buchstäblich hinhören, was läuft. Was brummt, was surrt, was fühlt sich überraschend warm an. Die Idee ist nicht, zu beschämen oder zu schimpfen, sondern Unsichtbares sichtbar zu machen. Diese Geräusche gehören so sehr zur häuslichen Tonspur, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen. Sie wieder bewusst zu hören, ist fast so, als würde man die eigene Wohnung neu kennenlernen.
Natürlich werden manche mit den Schultern zucken und alles weiterlaufen lassen. Und manche sollen das auch: große Familien, Pflegeverantwortung, Leute, die wirklich jede Lade jede Woche nutzen. Das ist kein Moraltest. Das Unangenehme ist die Lücke zwischen dem, was wir glauben zu brauchen, und dem, was wir tatsächlich tun. Wenn ein Gerät, das du seit Ostern nicht sinnvoll verwendet hast, still und heimlich einen Teil deines Winterbudgets frisst, dann ist das nicht „modernes Leben“ – das ist einfach ein schlechter Deal, verkleidet als Normalität.
Abschied vom brummenden Sicherheitsnetz
Es hat eine seltsame Zärtlichkeit, so einen lange vernachlässigten Kühlschrank oder Tiefkühler endlich abzutauen und abzuschalten. Leute reden vom „Ausmisten“, als würden sie eine Beziehung beenden. Man hackt das Eis runter, wirft die unidentifizierbaren Dinge weg, die einmal eine Geschichte gehabt haben, rettet, was geht. Die kalte Luft an den Händen riecht ein bissl metallisch und säuerlich, und plötzlich merkt man, wie lang das her ist, dass das Ding wirklich sauber gemacht worden ist. Dann zieht man den Stecker – und das Geräusch hört auf. Die Stille ist auf einmal überraschend laut.
Der Bericht fängt diesen Moment natürlich nicht ein. Der lebt in Tabellen, nicht in Menschen, die barfuß auf einem kalten Küchenboden stehen, ein tropfendes Sackerl Erbsen in der Hand, und sich fragen, warum sie’s so lang behalten haben. Aber genau diese kleinen, intimen Szenen stecken hinter nationalen Statistiken. Die 12 % sind nicht nur Zahlen – es sind tausende kleine Abschiede von Gewohnheiten, die einmal Sinn gemacht haben und jetzt still und teuer geworden sind. Vielleicht ist das das Schwierigste: zuzugeben, dass sich die Welt verändert hat, und dass unsere alten Arten, „vorbereitet“ zu sein, nicht mehr zu den Rechnungen passen – und nicht zu dem Planeten, mit dem wir’s zu tun haben.
Wie aus einem drögen Check ein menschlicher Weckruf wird
Wenn man den Fachjargon wegstreift, sagt uns der Winter-Energiecheck 2025 etwas unangenehm Einfaches: Das, was wir vergessen, kann uns am meisten kosten. Nicht nur Geld, sondern Aufmerksamkeit, Stress, und dieses sinkende Gefühl, wenn man die Gas- und Strom-App aufmacht und sich fragt, in welcher Ecke vom Leben grad still und heimlich was ausrinnt. Der zweite Kühlschrank oder Tiefkühler ist grad das Poster-Kind dafür. Nächstes Jahr ist es vielleicht was anderes. Es wird immer versteckte Brummer geben, kleine Hintergrund-Drainagen, die zu klein wirken, um aufzufallen – bis wer alles zusammenzählt.
Gleichzeitig steckt etwas überraschend Hoffnungsvolles drin, dass 12 % von unserem unnötigen Winterverbrauch an einer Geräteart hängen. Das heißt, es gibt einen Hebel, den man wirklich ziehen kann. Keine Smart-Home-Revolution nötig, kein Leben bei Kerzenlicht in drei Pullis – nur ein paar Millionen kleine Entscheidungen darüber, was wir laufen lassen und warum. Ein Kühlschrank statt zwei. Oder ein Tiefkühler, der im März ausgeschaltet wird und zu Weihnachten wieder an. Oder die bewusste Entscheidung, den einen, den man behält, mit Essen zu füllen, das man wirklich zu essen vorhat.
Vielleicht ist das die Quintessenz der ganzen Geschichte: Ein dröger, technischer Bericht leuchtet still und leise auf eine sehr menschliche Gewohnheit: unsere Liebe zu „nur für alle Fälle“. Unsere Zweitgeräte sind wie kleine Schreine für dieses Gefühl. Dieser Winter-Check sagt uns nicht, dass wir aufhören sollen, Sicherheit oder Komfort zu wollen. Er flüstert nur eine Frage, während wir an dieser brummenden Tür in der Kälte vorbeigehen: Nutzst du das noch – oder bist du’s nur gewohnt? Und irgendwo in der Stille danach könnte die Antwort mehr sparen, als du glaubst.
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