A bissl eingedrückt an den Ecken, seitlich mit Edding draufgekritzelt: „DVDs – gemischt“. Er hat die Kistn beim Sozialgschäft abg’geben, zwischen Lebensmittel einkaufen und Kinder in d’Schui bringen, fast ohne nachzudenken. Alte Filme, halb ang’schaute Box-Sets, ab und zu a Special Edition, die sich früher wertvoll ang’fühlt hat. Platz schaffen. Was „Gutes“ tun.
A Wochn später hat sei Handy g’pingt: a Nachricht. A Spezi hat ihm an Link von Vinted g’schickt und g’lacht: „Kummt dir des bekannt vor?“ Gleiche Titel. Gleiche rare Sci‑Fi‑Serie. Gleicher Sticker, den er damals auf die Folie pickt hat. Nur: Jetzt waren’s nimma „alte DVDs“. Jetzt waren’s „Vintage‑Sammlerstücke – selten, OOP“. Und der Preis hat ihm richtig in’n Magen g’haut.
A Kistn. Zwoa Gschichten.
Vom Klumpat zum Sammlerstück: wenn Spenden di wieder einholen
Des Erste, was di bei so Gschichten trifft, is oft ned Wut. Eher so a komische Mischung aus Peinlichkeit und Ungläubigkeit. Du stehst da, starrst auf das Inserat am Bildschirm und denkst dir: Wie is aus meinem staubigen Stapel Scheibn auf amoi a Mini‑Goldgrubn wordn, genau in dem Moment, wo i’s weggebn hab?
Du erinnerst di, wie du’s in die Kistn g’worfen hast, ohne wirklich z’schauen. Der limitiert’n Director’s Cut, für denst im Regen ang’standen bist. Die Anime‑Serie, die nimmer aufglegt wird. Der schräge Horrorfilm, den nur 3.000 Leit überhaupt kauft haben. Dahoam hat’s sich ang’fühlt wie Ramsch aus am alten Leben. Auf ana Resale‑App schaut’s plötzlich aus wie a Pension, von derst ned amal gwusst hast, dass’d sie host.
Und ganz leise fragst di: Haben’s des alle gwusst – nur i ned?
Die konkrete Gschicht fangt in aner Kleinstadt in den Midlands an. Tom – Anfang 40, zwoa Kinder, Kredit fürs Haus wird teurer – war grad voll auf Ausmisten. Neuer Smart‑TV, koa DVD‑Player hängt mehr dran, Kästn platzen. Also macht er, was ma macht, wenn ma sich nützlich und leichter fühlen will: rund fünfzig DVDs in a Kistn stopfen und beim Sozialgschäft abgeben, an dem er schon hundertmal vorbeigangen is.
Zehn Tag später doomscrollt er am Handy und sieht seinen alten Pikachu‑Sticker am Eck von am raren Box‑Set. Gleicher kleiner Riss im Karton. Nur jetzt steht’s in aner Online‑Anzeige, mit Wörtern wie „begehrt“, „Sammlerstück“ – und a Preis jenseits der 70 Pfund. Die ganze Kistn, die er g’spendet hat, könnt – einzeln verkauft – auf ein paar hundert kommen, checkt er.
Er rechnet’s am Sofa aus, ganz still, während der Wasserkocher läuft.
Ökonomen hätten a saubere Erklärung: Märkte, Angebot und Nachfrage, Formatwechsel. DVDs sterben als Alltagsgegenstand – und genau deswegen explodiert der Wert von den raren Sachen. Sozialgschäfter, g’scheite Reseller und nostalgische Käufer treffen si in dem komischen Zwischenraum, wo sentimentaler Plunder plötzlich a spekulatives Asset wird.
Psychologisch is es g’schissener. Wennst spendest, stellst da vor, dass dein Zeug zu wem geht, der’s „braucht“ – ned zu wem, der’s auf eBay flippt, oder zu am Sammler, der sein Set vervollständigt. Und wennst dann siehst, wie deine Spende als „Collectible“ aufg’schlagen wird, fühlt si’s an, als hätt di wer eing’legt – a wenn dir in Wahrheit kana was vorg’macht hat. Du hast Platz schaffen wolln. Die anderen scannen Barcodes und denken wie Händler.
Des is der stille Clash im Kern von der Gschicht.
Wie du dein „G’lump“ sortierst, bevor wer anderer damit Kassa macht
Es gibt a simple Gewohnheit, die Toms Gschicht komplett verändert hätt: 20 Minuten „Wert‑Check“ vorm Spenden. Ka volle Inventur, ka Excel – nur a kurzer Blick auf alles, was auch nur a bissl speziell wirkt. Limitierte Editionen, Steelbooks, nimmer erhältliche TV‑Serien, Auslandsimporte, Box‑Sets von kleinen Labels – des verdient an zweiten Blick.
Gib den exakten Titel plus „DVD“ auf eBay oder Vinted ein, klick auf „verkaufte Artikel“ und schau, was die Leit wirklich zahlt haben – ned, was Verkäufer sich erhoffen. Wennst mehrere Verkäufe über 20 Pfund siehst, red ma nimma von normalem Klumpat. Des is genau die Art Scheibn, nach der Reseller jedes Wochenende in Sozialgschäftern jagen.
Zwanzig Minuten Neugier können Monate an stillem Ärger verhindern.
Der Fehler, den viele machen: Sie sortieren nach Gefühl statt nach Wert. Der Film, denst auf da Uni geliebt hast, kommt auf den „Behalten“-Stapel; der zufällige Cult‑Import, an denst di kaum erinnerst, landet in der Spendenkistn. Blöd nur: Nostalgie passt selten zum Markt. Der obskure koreanische Thriller mit englischen Untertiteln? Vielleicht out of print und geht um 40 Pfund. Der Hollywood‑Blockbuster, den „eh jeder hat“? Oft ned mehr wert als a Kaffee.
Profi‑Reseller wissen des. Die gehen ins Sozialgschäft mit aner inneren Liste an Verlagen und Rücken‑Logos: Arrow, Criterion, Eureka, frühe Disney‑Sachen, BBC‑Sitcom‑Box‑Sets. Handy raus, Barcode scannen, Preise checken. Und ja: Die finden regelmäßig Spenden von Leit wie Tom, die einfach nur ihren Vorraum wiederhaben wollen. An am guten Tag zahlt a einzige glückliche Kistn die Miete.
Währenddessen sitzt da ursprüngliche Besitzer dahoam und glaubt, des Zeug wär ned amal den Regalplatz wert.
Da liegt die stille Spannung. Du bist ned „falsch“, wennst ohne Check spendest. Du spielst nur a komplett anderes Spiel als die Leit auf der anderen Seite vom Ladentisch. Ganz ehrlich: Des macht ka Mensch wirklich jeden Tag. Kaana steht in der Früh auf und freut si drauf, alte DVDs zu katalogisieren. Das Leben is voll: Kinder, Hackn, Wäsche. Also rutscht was durch – und manchmal geht a kleines Vermögen aus Plastik einfach zur Tür hinaus.
„I nehm’s weder dem Sozialgschäft übel noch dem Reseller“, hat Tom mir später g’sagt. „I bin der, der si ned die Mühe gemacht hat, g’schaut. Trotzdem: Wennst siehst, dass a Scheibn, für die du 12 Pfund zahlt hast, um 95 geht … des sticht. Ned wegen dem Geld, sondern weil i mein eigenes Zeug behandelt hab, als wär’s wertlos.“
Es gibt an Mittelweg, der weniger weh tut. Bevorst a Spendenkistn füllst, leg alles irgendwo hin, wo’d es wirklich siehst – Bett, Esstisch, Boden. Such alles raus, was a bissl ungewöhnlich wirkt, und gib ihm den schnellen Online‑Check. Wenn’s sich als wertvoll rausstellt, host Optionen:
- Du verkaufst es selber und spendest einen Teil oder alles vom Geld.
- Du spendest es ganz bewusst, wissend, dass es der Organisation gutes Geld bringen kann.
- Du behältst es als Bonus fürs „Zukunfts‑Ich“, falls es einmal eng wird.
Es geht ned ums Horten. Es geht drum, dass’d deine eigenen Sachen ned als Hintergrundrauschen behandelst, nur weil’sd sie nimmer bewusst wahrnimmst.
Warum die Gschicht den Leit nachgeht, lang nachdem die Kistn weg is
Gschichten wie die von Tom verbreiten sich schnell, weil’s was Tieferes treffen als nur Wiederverkaufswert. Sie rühren an die nagende Angst, dass ma im Autopilot an Dingen vorbeirennen, die zählen – Geld, Erinnerungen, Chancen – während ma hektisch unser Leben ausmistn. An am guten Tag macht’s uns achtsamer. An am schlechten kippt’s in Paranoia: „Darf i überhaupt noch irgendwas hergeben?“
Die meisten von uns wollen glauben, die Spendenwelt is simpel und sauber: Du gibst, wer anderer kriegt’s und freut si. Die Realität is g’schichtiger – und eigentlich interessanter. Es gibt Filialleiter, die ganz genau wissen, welche gespendete DVD a Wochn warme Mahlzeiten finanziert. Es gibt Reseller, die Charity‑Regale wie a Nebenjob behandeln. Es gibt Sammler, die fast alles zahlen, um a verlorenes Stück Kindheit zu ersetzen. Und mittendrin bist du, der/die einfach nur das Gästezimmer frei kriegen will.
Menschlich rührt’s an was Vertrautes. Finanziell erinnert’s leise dran, dass ma bei dem, was ma „Ramsch“ nennt, manchmal zweimal hinschauen sollt. Kulturell is es a Schnappschuss davon, wie physische Medien von „Alltag“ zu „Artefakt“ rutschen. Die DVDs, die ma heut kaum verschenkt kriegt, sind vielleicht genau die, die deine Kinder in zehn Jahren googeln – Augen groß, beim Preis.
Und persönlich löst si die Gschicht ned ganz auf. Es gibt ka saubere Antwort drauf, ob Tom „hätt“ nachschauen sollen. Er hat damals das Richtige g’fühlt: Platz g’schaffen, a Organisation unterstützt, Kopf leichter g’macht. Und trotzdem: Wenn er am Handy an „rare collectible DVD – charity shop find“ vorbeiscrollt, flüstert a kleines Stimmal: „Des hätt deins sein können.“
A Kistn. Zwoa Gschichten. Und irgendwo dazwischen a leise Frage, wie viel von unserm Leben ma hergeben, ohne wirklich z’sehen, was es wert is.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für die Leserin/den Leser |
|---|---|---|
| Schneller „Wert‑Check“ | Special Editions, Imports, TV‑Serien vorm Spenden kurz prüfen | Risiko senken, dass a Teil weggeht, das viel mehr wert is als gedacht |
| Das „Spiel“ der Reseller verstehen | Sie zielen auf Logos, Verlage und bestimmte Titel im Sozialgschäft | Blick schärfen und erkennen, was Profis anzieht |
| Bewusst spenden | Entscheiden: verkaufen, behalten oder wissentlich spenden | Mehr Kontrolle behalten und trotzdem großzügig sein |
FAQ
- Woran erkenn i, ob a DVD sammelwürdig is, bevor i sie spende? Schau auf limitierte Editionen, Steelbooks, nimmer erhältliche TV‑Serien, Nischen‑Labels und Auslandsimporte. Dann die zuletzt verkauften Preise auf eBay oder Vinted für genau diese Edition checken.
- Is es falsch, wenn Reseller an Spenden aus’m Sozialgschäft verdienen? Sozialgschäfter freuen sich meistens über jeden Verkauf – egal ob an Endkunden oder Reseller. Die ethische Frage is eher persönlich: Wie du dich damit fühlst, dass deine Sachen weiterverkauft werden, ned ob’s erlaubt is.
- Sind DVDs wirklich wieder wertvoll, oder is des nur Hype? Die meisten DVDs bringen ned viel. Aber a kleiner Anteil – selten, nischig oder out of print – kann überraschend hohe Preise erzielen, weil’s nimmer produziert wird.
- Soll i ganz aufhören, Medien zu spenden? Na. Spenden finanzieren weiterhin wichtige Arbeit. Der Trick is: ein paar wahrscheinliche Kandidaten vorher prüfen, damit du aus Entscheidung gibst – ned aus Versehen.
- Was, wenn i draufkomm, dass i grad was g’spendet hab, das jetzt viel wert is? Normalerweise kriegst es nimmer z’rück, und hinterherjagen fühlt si selten gut an. Nimm den Stich als Lektion: nächstes Mal kurz pausieren, alles ausbreiten und einmal hinschauen, bevorst es gehen lässt.
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