Der Mann, der zum Spaß die sanft hügelige Landschaft in der Nähe von Pesaro abgesucht hat, hat seinen „Fund des Lebens“ online geteilt. Innerhalb weniger Tage haben seine Fotos nicht die Aufmerksamkeit von Gleichgesinnten auf sich gezogen, sondern jene von Italiens Ermittlern für Kunstkriminalität. Was als Wochenendbeschäftigung begonnen hat, endete mit einer strafrechtlichen Verurteilung, einer bedingten Strafe und einer deutlichen Warnung an alle, die versucht sind, ohne Genehmigung nach Geschichte zu graben.
Der Social-Media-Post, der die Ermittlungen ausgelöst hat
Laut in Italien bekannt gewordenen Gerichtsunterlagen hat der 42-Jährige einen Tag lang mit einem Metalldetektor die Hügel zwischen Pesaro und Fano abgesucht. Er hat alten Schrott erwartet, vielleicht Fragmente aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Feld hat aber etwas weit Sensibleres hergegeben.
Zu den Gegenständen, die er ausgegraben hat, zählten:
- Antike Münzen mit sichtbarer Patina
- Metallschnallen
- Kleine Ringe und verschiedene Metallfragmente
Er hat alles ausgelegt, fotografiert und auf Social Media hochgeladen – als Teil des wachsenden Stroms an amateurhaften „Schatz“-Posts, die in Hobbygruppen und auf lokalen Seiten kursieren.
Freizeit-Suche wurde in dem Moment zu Beweismaterial, als die Bilder online erschienen – und den Ermittlern gleichsam einen fertigen Katalog mutmaßlicher archäologischer Funde lieferten.
Die Bilder wurden an die Carabinieri-Einheit zum Schutz von Kunst und Antiquitäten gemeldet, eine spezialisierte Abteilung, die sowohl den Kunstmarkt als auch digitale Plattformen nach Anzeichen von Plünderungen beobachtet. Die italienische Denkmalschutzbehörde – die Soprintendenza – prüfte den Beitrag und stufte das Material als verdächtig genug ein, um genauer hinzuschauen.
Die Hausdurchsuchung, die Beschlagnahme und die Anklage
Beamte der Carabinieri-Einheit suchten den Mann zu Hause auf. Berichten zufolge war er von ihrem Auftauchen sichtlich überrascht. Er übergab alles: die Münzen, Schnallen, Ringe und auch den Metalldetektor selbst. Die Ermittler beschlagnahmten das gesamte Material – ebenso wie weitere Gegenstände, die den Anschein erweckten, aus dem Boden ausgegraben worden zu sein.
Die Staatsanwaltschaft warf ihm zwei Delikte nach Italiens strengen Kulturgüterschutzgesetzen vor:
| Vorgeworfenes Delikt | Bedeutung |
|---|---|
| Unrechtmäßige Aneignung von Kulturgut | Behalten von Objekten, die als kulturell bedeutsam gelten und dem Staat gehören sollten |
| Unbefugte archäologische Forschung | Durchführen von Grabungen oder Suchen im Boden ohne behördliche Genehmigungen |
Italienisches Recht behandelt alles, was im Erdreich gefunden wird und archäologischen Wert hat, grundsätzlich als Eigentum des Staates – sofern keine speziellen Ausnahmen greifen. Dieses Prinzip soll kommerzielle Plünderungen verhindern und den Kontext bewahren: die Erdschichten und die genaue Lage jedes Objekts, damit Archäologen sie wissenschaftlich auswerten können.
Durch das Graben ohne Bewilligung habe der Mann, so die Ermittler, nicht nur Objekte entfernt, sondern auch jene Bodenschichten zerstört, die ihre Geschichte erzählen.
Fachleute sagen, dass diese „Stratigrafie“, also die physische Schichtung von Überresten im Boden, oft mehr wissenschaftlichen Wert hat als eine einzelne Münze oder Schnalle. Ist sie durch eine Amateurgrabung einmal gestört, lässt sich dieser Befund nie wieder herstellen.
Gutgläubigkeit trifft hartes Gesetz
Das Argument der Verteidigung
Die Anwältin des Mannes, Raffaella Ricci, betonte, ihr Mandant habe gutgläubig gehandelt. Er habe sich als Hobbyist gesehen, nicht als Plünderer. Er habe nicht versucht, die Gegenstände zu verkaufen. Er habe sie offen online geteilt, was aus Sicht der Verteidigung gegen einen kriminellen Vorsatz spreche.
Ricci hob außerdem das Ausmaß der möglichen Strafen hervor. Auf die Delikte können Freiheitsstrafen von bis zu sechs Jahren stehen. Sie beantragte eine Vorverhandlung, um die Stichhaltigkeit des Falls zu prüfen und Optionen für alternative Verfahren offenzuhalten, einschließlich einer einvernehmlichen Erledigung (Plea Deal).
Experten bewerten noch die genaue Datierung der Münzen und Metallteile. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass sie aus der Römerzeit stammen könnten – was ihnen in einer Region, die von alten Routen durchzogen ist, erhebliches archäologisches Gewicht geben würde.
Der Deal und die bedingte Strafe
Letztlich entschied sich der 42-Jährige, einen Vergleich anzunehmen. Er erhielt eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung, das heißt: Er muss nicht ins Gefängnis, sofern er keine weiteren Delikte begeht. Die Funde und sein Metalldetektor bleiben beschlagnahmt und werden nicht an ihn zurückgegeben.
Ein Jahr „am Papier“, keine Haft – aber ein Strafregistereintrag und der endgültige Verlust seines „Schatzes“ senden ein klares Signal an andere Enthusiasten.
Der Fall unterstreicht den deutlichen Unterschied zwischen Ländern, in denen Metalldetektieren als reguliertes Hobby gilt, und Italien, wo jede nicht genehmigte Ausgrabung als potenzielles Delikt gegen das kulturelle Erbe betrachtet wird.
Warum Italien Amateur-Detektieren so ernst nimmt
Italien liegt auf Schichten von Geschichte: etruskisch, römisch, mittelalterlich und darüber hinaus. In jedem Hügel und jedem Weingarten können ganze vergessene Siedlungen verborgen sein. Über Jahrzehnte haben organisierte Plünderer mit Schaufeln und Detektoren Fundstellen ausgeräumt und damit einen internationalen Schwarzmarkt für Antiquitäten beliefert.
Um das einzudämmen, verfolgt Italien einen strengen Ansatz:
- Archäologische Objekte, die im Boden gefunden werden, gehören dem Staat.
- Suchen mit Metalldetektoren auf archäologisch sensiblen Flächen brauchen meist Genehmigungen.
- Behörden können auch dann verfolgen, wenn kein kommerzieller Verkauf stattfindet.
Denkmalschutz-Behörden argumentieren, dass viele „harmlose“ Grabungen über unbekannten Fundstellen liegen. Wird der Boden gestört, wird spätere Forschung nahezu unmöglich. Im Fall Pesaro verwies die Staatsanwaltschaft ausdrücklich auf Schäden an der archäologischen Stratigrafie – ein Hinweis darauf, dass die Grabung selbst genauso relevant war wie die Objekte.
Social Media als neues Jagdrevier für Kunstschutz-Einheiten
Der Fall zeigt auch, wie sehr digitale Plattformen heute Ermittlungen zu Kulturgutkriminalität prägen. Statt nur auf Informanten oder Beschlagnahmen an Grenzen zu setzen, beobachten Kunstschutz-Einheiten Hashtags, Gruppen und geogetaggtte Bilder.
Ein einziges Foto kann liefern:
- Visuelle Belege für nicht registrierte Funde
- Hinweise auf ungefähre Orte durch Hintergründe oder Kommentare
- Muster wiederholter Aktivität in bestimmten Gebieten
Für Hobbyisten kann der Drang, eine spektakuläre Entdeckung herzuzeigen, mit strengen Rechtsrahmen kollidieren. Ein jubelnder Post kann – wie in Pesaro – von der Staatsanwaltschaft als selbst verfasste Sachverhaltsdarstellung gelesen werden.
Was das für angehende „Schatzsucher“ bedeutet
Regeln checken, bevor man gräbt
Metalldetektieren hat nicht überall denselben rechtlichen Status. Dieser Unterschied kann Reisende oder Social-Media-Nutzer in die Irre führen, die glanzvolle „Funde“ aus dem Ausland sehen.
Ein paar allgemeine Hinweise für Interessierte:
- Nationale und regionale Gesetze recherchieren, bevor man Ausrüstung kauft.
- Bei lokalen Denkmalschutzstellen oder Museen nach Bewilligungen und Sperrzonen fragen.
- Potenziell alte Objekte melden, statt sie einzustecken.
- Funde nicht online posten, bevor Behörden sie begutachtet haben.
In Ländern wie dem Vereinigten Königreich fördern regulierte Systeme die Zusammenarbeit zwischen Detektoristen und Archäologen, die Dokumentation von Funden und teils auch eine Aufteilung von Belohnungen mit Grundeigentümern. Italien und mehrere andere europäische Staaten sind deutlich strenger: Der Staat erhält automatisch das Eigentum an vergrabenem Kulturerbe, und inoffizielle Grabungen gelten als strafbar.
Die versteckten Kosten einer impulsiven Grabung
Neben rechtlichen Risiken hat unreguliertes Detektieren auch einen wissenschaftlichen Preis. Eine Münze im Feld wirkt vielleicht wie eine einzelne Kuriosität. Im Kontext kann dieselbe Münze jedoch die Datierung einer ganzen Siedlungsschicht fixieren, Keramiktypologien verankern und Handelsrouten verbinden.
Wenn Amateure Funde Stück für Stück entfernen – ohne Kartierung, Fotodokumentation oder saubere Aufzeichnung –, bricht dieses Informationsnetz zusammen. Archäologen bleiben dann verstreute Objekte, denen ihre Geschichte genommen wurde. Italiens strenge Gesetze spiegeln diese Sorge ebenso wider wie die Angst vor kommerzieller Plünderung.
Für Enthusiasten, die sich für vergangene Zivilisationen begeistern, gibt es sicherere Wege: Teilnahme an betreuten freiwilligen Grabungen, Unterstützung lokaler archäologischer Gruppen oder Mitarbeit an Projekten von Museen, die öffentliche Prospektionen durchführen. Diese Optionen stillen Neugier, ohne ein Gerichtsverfahren wie jenes des Mannes aus Pesaro zu riskieren.
Der Hang, an dem sein Detektor gepiepst hat, liegt noch immer unter demselben Himmel – doch seine verborgenen Schichten tragen nun die Spuren einer kurzen, unrechtmäßigen Grabung. Künftige Forschende werden dort womöglich weniger finden, als sie hätten finden können. Für Italiens Kulturgüterschutz-Polizei rechtfertigt dieser Verlust die harte Botschaft einer einjährigen bedingten Strafe und eines eingezogenen Detektors.
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