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Manche frieren drinnen öfter als andere – das liegt nicht nur an der Temperatur, sondern daran, wie Körper und Umgebung zusammenwirken.

Paar sitzt auf Sofa, Tee und Fieberthermometer auf Tisch. Heizkissen und warme Kleidung halten warm.

Der Streit beginnt meistens so: „Mir is saukalt.“

„Es hat 22 Grad, dir kann doch ned kalt sein.“ Eine Person is in a Decke eingwickelt, Finger wie Eis, während die andere im T‑Shirt herumläuft und Fenster aufreißt. Gleicher Raum, gleiches Thermostat, komplett andere Realität. Wennst mit an „Kalt-Menschen“ zamlebst, kennst den Tanz eh: der passiv-aggressive Pulli überm Sessel, des leise Verstellen vom Thermostat, da gflüsterte Fluch, wenn wer a Fenster einen Spalt aufmacht.

Wir tun so, als ging’s um Temperatur – um Zahlen an der Wand und Einstellungen am Heizkessel. Aber des is nur der fadeste Teil der Gschicht. Darunter läuft ein komisches, sehr persönliches Tauziehen zwischen Körpern, Lebensstil, Hormonen, Architektur und sogar dem, was ma essen. Der Raum kann derselbe sein – und trotzdem fühlt er sich für zwei Menschen wie zwei verschiedene Welten an. Und wenn ma des einmal kapiert, schaut ma auf a „kaltes Büro“ oder a „überhitzte Wohnung“ nimma ganz gleich.

Das Paar, das aufs selbe Thermostat starrt und in unterschiedlichen Klimazonen lebt

I kenn a Paar in Manchester, die nennen des jeden Abend scherzhaft „Klimaverhandlungen“. Sie sitzt am Sofa im Hoodie, dicke Socken bis raufgezogen, die Finger um a Häferl Tee geklammert, als wär’s Lebenserhaltung. Er kommt aus der Küche in kurzer Hose, die Wangen warm vom Backrohr, und sagt, der Raum is „stickig“. Selbes Haus. Selbes Thermostat. Zwei komplett verschiedene Welten.

Wir behandeln Wohlfühlen gern wie an Kompromiss: ma trifft sich in der Mitte, Heizung um a Stufe rauf, dafür a Schicht Kleidung weniger. Aber in Wirklichkeit verhalten sich ihre Körper wie getrennte Ökosysteme. Der eine hält Wärme fest und strahlt sie fast nebenbei ab. Der andere verliert sie wie a altes, undichtes Fenster. Wenn’s über die Temperatur streiten, glauben’s, sie streiten über a Zahl. In Wahrheit streiten’s über Biologie.

Diese kleine Szene spielt sich überall ab – jeden Winter und, zunehmend, bei jedem Energiepreisschub. Im Großraumbüro, wo a Kolleg:in heimlich an Heizlüfter unterm Tisch laufen lässt, während wer anderer fürs „frische Lüfterl“ a Fenster aufmacht. Beim Familienessen, wo die Oma näher zum Heizkörper rutscht und die Teenager die Augen verdrehen. Komfort is persönlich, ned kollektiv. Und sobald ma aufhört so zu tun, als wär ma alle gleich gebaut, wirkt die „Frostbeule“ im Raum nimma dramatisch, sondern … logisch.

Es liegt ned an der Luft – es bist du: der stille Kampf vom Körper mit dem Raum

Warum dieselben 20 °C nie gleich wirken

Die meisten von uns sind mit dem stillen Mythos aufgwachsen: Es gibt a „normale“ Raumtemperatur, a magische Zahl, die für alle passen sollt. In Großbritannien liegt die oft so bei 18–21 °C und wird in Gespräche gschmissen wie a Wetterbericht. Aber geh in irgendein Wohnzimmer mit 20 °C: Da sitzt wer im Unterleiberl, und wer anderer greift zur Decke. Die Zahl hat si ned verändert. Alles andere schon.

Dein Körper sitzt ned einfach nur im Raum – er regelt dauernd und fast obsessiv nach. Blutgefäße ziehen sich zam oder weiten sich, Muskeln machen winzige Mikrozittern, dasst kaum merkst, und die Haut entscheidet, wie viel Wärme sie abgibt. Wenn deine Blutgefäße in der Kälte schneller „zudrehn“, werden Hände und Füße eiskalt, lang bevor das Thermostat findet, dass überhaupt a Problem da is. Wennst mehr Muskelmasse hast, hast mehr innere „Heizungen“ laufen – und dir wird stickig, während alle anderen’s eh angenehm finden.

Dann gibt’s die brutal einfache Mathematik von Größe und „Polsterung“. Kleinere, schlankere Menschen verlieren schneller Wärme, weil sie im Verhältnis mehr Oberfläche zur Körpermasse haben. Denk an a kleines Häferl Tee und a große Kanne, beides am Tisch: Das Häferl wird zuerst kalt. Des macht die Kanne ned heldenhaft – sie is nur anders gebaut. Und genau des passiert still und leise auch mit unseren Körpern am Sofa.

Hormone, Müdigkeit und die stille Sabotage

Und dann san da die Hormone – die unsichtbaren Temperatur-Redakteure. Menschen mit Schilddrüsenproblemen leben oft in a ganz anderes Klima als alle anderen: Eine Unterfunktion kann di bis auf die Knochen frieren lassen, auch wenn’s objektiv warm is. Frauen in der Perimenopause oder Menopause können innerhalb von Minuten zwischen „ich erfrier“ und „ich koch“ hin- und herschießen, ziehen die Strickjacke aus und gleich wieder an. Von außen schaut’s aus wie „Laune“. Innen drin is Chaos.

Schlaf und Stress spielen auch mit. Wennst dauernd erledigt bist, wird der Körper geizig mit Energie, zieht Blut aus Fingern und Zehen ab, damit der Rumpf warm bleibt. Langfristiger Stress macht Ähnliches. Du erlebst es vielleicht nur als „Mir is im Büro immer kalt“, aber in Wirklichkeit werden im Körper still Prioritäten verschoben. Warmes Hirn zuerst, warme Füße zuletzt.

Wenn also wer sagt: „So kalt is des ned, hör auf zu raunzen“, is des ned nur a bissl unsensibel. Da wird a ganzes Orchester unsichtbarer Prozesse ignoriert, die aus deinen 20 °C deren 16 °C machen. Dein Thermostat sitzt im Körper lang bevor er an der Wand hängt.

Die Innenwelt is auch ned neutral

Die versteckte Kälte in modernen Gebäuden

Wir reden über Gebäude, als wärn’s einfach Behälter für Menschen – neutrale Kisten, die entweder „beheizt“ oder „unbeheizt“ san. Is da schon mal aufgfallen, dass manche Räume kalt wirken, obwohl’s technisch warm is? Du gehst in a nordseitiges Schlafzimmer mit nackten Dielen und großen einfach verglasten Fenstern – und a Zahl am Thermostat bedeutet plötzlich nimmer viel. Die Luft kann 21 °C haben, und trotzdem flüstert der Raum: „Zieh da a Pulli an.“

Da kommt Physik ins Spiel. Dein Körper tauscht Wärme ned nur mit der Luft aus, sondern auch mit den Oberflächen rundherum. Sitz neben an kalten Fenster, dann „sieht“ deine Haut diese kalte Fläche und strahlt Wärme hin. Drum schwören Leute in alten Steinhäusern, dass es eisig is, auch wenn die Heizung voll läuft. Die übertreiben ned. Die Wände stehlen ihnen tatsächlich Wärme.

Moderne offene Grundrisse bringen ihren eigenen Schmäh. Große Räume, hohe Decken, harte Böden – alles, was auf Instagram gut ausschaut, macht’s heimelig warm zu kriegen schwerer. Warme Luft steigt auf, der Boden bleibt kühl unter dünnen Socken, Zugluft findet ihren Weg unter Türen durch. Das Thermostat hängt an einer Innenwand und zeigt stolz 20 °C, ganz neutral – während deine Knöchel anderer Meinung san.

Das Büro-Mikroklima-Problem

Jedes Büro hat die eine Person mit Decke über den Knien und die andere, die „immer heiß rennt“ und die Klimaanlage das ganze Jahr will. Büro-Lüftungs- und Heizsysteme (HVAC) sind oft nach einem Durchschnittsmann von vor Jahrzehnten ausgelegt – im Anzug, wenig Bewegung. Diesen „Durchschnitt“ hat’s eh nie wirklich gegeben, und er passt schon gar ned zur heutigen Mischung aus Geschlechtern, Kleidung, Körperformen und Arbeitsweisen.

Also bläst das System Luft nach einem alten Modell – und in einer Ecke reiben sich Leute die Hände, während andere nur kurz aufs Klo gehen, um abzukühlen. Ein großer Raum, völlig unterschiedliche Mikroklimata: beim Fenster, unterm Lüftungsauslass, neben der Tür. Wennst von Haus aus eher „kalt“ bist, landest gefühlt immer genau unterm gschissensten Vent im ganzen Gebäude.

Seien ma ehrlich: Kaum wer geht zur HR und sagt: „Mein Tisch is um 1,5 °C kälter als der Besprechungsraum und i spür meine Zehen nimma.“ Ma zuckt mit den Schultern, zieht an Pulli mehr an, kauft vielleicht so a trauriges kleines Tisch-Heizerl und hofft, dass die Sicherung ned fliegt. Komfort wird zum privaten Problem im öffentlichen Raum.

Gewohnheiten, die deinen Körper heimlich drauf trainieren, kälter (oder wärmer) zu fühlen

Lebensstil-Entscheidungen, die dein inneres Thermostat verschieben

Da gibt’s noch a Schicht: wie ma lebt. Wennst di regelmäßig bewegst, a bissl Muskulatur aufbaust, erhöhst die Zahl der „Öfen“ in dir. Wennst den ganzen Tag sitzt, kaum weiter gehst als vom Bett zum Schreibtisch zum Sofa, wird der Körper leiser, kühler, vorsichtiger mit Energie. A kaltes Büro is kaum auszuhalten, wennst stundenlang still warst, Schultern eingezogen, Kreislauf beleidigt.

Essen und Trinken schubsen dein inneres Klima auch. Die Freund:in, die von Eiskaffee und Salat lebt, erlebt an Jännernachmittag anders als wer, der warm isst und literweise Tee trinkt. Scharfes Essen kann kurz warm machen, aber ein Zucker-Crash nach am süßen Snack lässt di unter der Decke zittern. Es is nie nur das Thermostat. Es is der Tag, den du schon hinter dir hast, bevor du überhaupt in den Raum reingehst.

Und dann gibt’s diese subtile UK-Gewohnheit vom „Zambeißen“. Viele sind mit kalten Schulkorridoren und Einfachverglasung groß worden und haben gelernt, Kälte als charakterbildend zu sehen. Drum haben manche aufgehört, auf die ersten Signale zu hören, und reagieren erst, wenn die Finger taub san. Andere haben’s nie so gelernt und reagieren früh: Strickjacke, Wärmflasche, während die anderen noch sagen: „Passt eh.“ Gleiches Gefühl, andere Reaktionszeit.

Bildschirmleben, stille Körper, kältere Abende

Abende schauen heut oft so aus: Eine Person lümmelt am Sofa und scrollt, Schultern nach vorn, Hände bewegen sich kaum, das weiche blaue Licht vom Handy im Gesicht. Draußen is es finster worden, die Raumtemperatur is nebenbei um a paar Grad gfallen. Sie bewegt sich ein, zwei Stunden kaum – und wenn’s dann aufsteht, fühlen sich die Zehen an wie Kieselsteine.

Bildschirme machen uns still. Stille Körper pumpen Blut ned so engagiert. Wenn weniger Blut pumpt, kommt weniger Wärme bei Fingern, Ohren, Nase an – bei all den Extremitäten, die als Erste „Mir is kalt“ melden. Der Raum hat sich ned dramatisch verändert. Deine Durchblutung schon.

Man sieht’s besonders, wenn ma’s vergleicht mit wem, der in der Küche herumwurschtelt: Gemüse schneiden, Kastln aufmachen, Geschirr wegräumen. Gleiches Haus, gleiche Gasrechnung, anderes Innenwetter. Eine Person kühlt langsam aus, die andere schürt innen drin a ruhiges, stetiges Feuer.

Kälte empfinden hat auch was damit zu tun, ob ma si umsorgt fühlt

Da gibt’s a stille emotionale Seite, die auf keiner Energierechnung auftaucht. Die „kalte“ Person im Raum zu sein kann sich peinlich anfühlen, bedürftig, sogar a bissl schuldhaft. Du bist die, die um „a bissl mehr“ Heizung bittet, die, die als Erste den Pulli anzieht, die, die sich unter a Decke einrollt, während alle versuchen, lässig zu wirken. Irgendwann fragst di, ob du überempfindlich bist, ob du’s halt „aushalten“ sollst.

Wir kennen alle den Moment: Du bist bei Freund:innen zu Besuch, deine Zehen werden am Fliesenboden taub, aber du willst ned der mühsame Gast sein, der nachm Heizkörper fragt. Also ziehst die Füße unter dich, pustest in die Hände und hoffst, dass’s keiner merkt. Da geht’s nimmer wirklich um Grad Celsius. Da geht’s drum, ned zur Belastung zu werden.

Dreh ma’s um, dann passiert was Schönes. Jemand gibt dir a Decke, bevor du überhaupt was sagst. A Kolleg:in bringt fingerlose Handschuhe mit „für die, die immer frieren“. Der Partner dreht die Heizung um a Stufe rauf, ohne an Vortrag über die Rechnung zu halten. Plötzlich fühlt sich der Raum wärmer an – und ja, ein Teil davon is einfach Freundlichkeit, die wie a Zentralheizung fürs Nervensystem wirkt.

Sich körperlich warm zu fühlen is eng verstrickt damit, sich sicher und gesehen zu fühlen. Wenn die Umgebung zu dem passt, was dein Körper braucht, musst ned um Komfort kämpfen. Du bist einfach da. Und des – mehr als jede Thermostat-Zahl – macht, dass sich a Ort wie dahoam anfühlt.

Einen Raum teilen, wenn die Körper widersprechen

Wo lässt uns das also, dieses ewige Patt zwischen Frostbeule und Hitzkopf? Ned bei am sauberen Kompromiss, aber vielleicht bei an freundlicheren. Statt „Du kannst ned frieren, es hat 21 Grad“ verschiebt sich die Frage zu: „Was braucht dein Körper in dem Raum?“ Für die eine Person sind’s dickere Socken und a heißes Getränk, für die andere a leichteres Oberteil und vielleicht a Ventilator.

Technik und Gestaltung wachen langsam auf. Beheizte Decken, kleine Strahlungsheizer nur für die Füße, atmungsaktive Stoffe, Thermovorhänge, Heizungszonen, damit a Raum a Spur wärmer laufen kann. Nix davon is glamourös, und keiner postet’s wie a Küchenrenovierung. Aber es sind kleine, praktische Anerkennungen, dass es nie das eine richtige Raumklima für alle gegeben hat.

Der eigentliche Wandel is im Kopf: zu akzeptieren, dass Komfort persönlich is – keine Abstimmung. Die Person im Hoodie is ned „dramatisch“. Die im T‑Shirt is ned „egoistisch“. Es san zwei Nervensysteme, die versuchen, in einem engen Bereich zu bleiben, wo sie sich wie sie selber fühlen. Wenn ma’s so sieht, streitet ma nimmer mit der Zahl am Thermostat – und fangt an, mit der Person am Sofa zu reden.

Also wenn beim nächsten Mal wer bei dir daheim sagt: „Mir is saukalt“, und dir is eh völlig recht, dann wart kurz, bevor du die Augen verdrehst. Ihr Körper könnte in einer ganz anderen Jahreszeit sein als deiner. Der Raum hat sich ned verändert. Aber unter ihrer Haut könnt grad stiller Winter einziehen – und des verdient, mehr als das Thermostat, deine Aufmerksamkeit.

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