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Warum 1 von 3 Über-65-Jährigen zuerst den Geruchssinn verliert: Frühes, stilles Warnzeichen für Parkinson.

Ältere Frau in heller Küche riecht an Rosmarin, vor einem Notizbuch. Tisch mit Kaffee, Zitrone, Orange und Gewürzen.

Der Margaret als Erstes auffallen is, war da Tee.

Oder besser gesagt: dass er ihr gar ned auffallen hat können. Jeden Morgen seit 40 Jahren hat sie die Dose Earl Grey aufgmacht, sich drüber g’beugt und tief eing’atmet – dieses beruhigende Bergamotte- und Dampfaroma. An einem Dienstag, kurz nach ihrem 69. Geburtstag, hat sie merkt: Der Geruch is weg. Ned schwächer. Ned weniger. Weg – als hätt wer hinten im Kopf ganz leise einen Schalter umg’legt und wär dann einfach gangen.

Sie hat zu ihrer Tochter g’scherzt, dass der Supermarkt wohl die Mischung g’ändert hat. Sie hat’s auf die Nachwirkungen von einer Winterverkühlung g’schoben. Sie hat eine andere Teemarke kauft, dann eine Duftkerze, dann stärkeren Kaffee. Nix. Kein Zitrus, kein Kaffee, ned amal das beißende Stechen von Essig, wie sie das Waschbecken putzt hat. Monate später, in einem engen Wartezimmer bei der Neurologie, hat sie ein Faltblatt am Schoß g’habt. Drauf ist a Ausdruck g’standen, den sie noch nie g’hört hat: „Geruchsverlust als frühes Anzeichen von Parkinson“. Und da hat sie’s g’spürt – dieses kalte, kleine Absackerl im Magen, wenn man merkt, dass der eigene Körper schon länger versucht, einem ein Geheimnis zu verraten.

Der Sinn, über den ma ned nachdenkt – bis er weg is

Wir reden viel über unser Sehen, unser Hören, unseren Rücken, unsere Knie. Die großen, offensichtlichen Sachen, die uns dran erinnern, dass ma nimma 25 san. Der Geruchssinn schafft’s selten auf die Liste. Der läuft leise im Hintergrund mit und macht sein Ding, ohne Applaus zu verlangen. Keiner wacht auf und sagt: „Gott sei Dank, i kann meinen Toast riechen.“ Man merkt halt den Toast, die Butter, den Hauch von Anbrennen am Rand.

Genau drum fühlt sich das Verlieren so eigenartig an – und lässt sich so leicht wegwischen. Jede*r Dritte über 65 erlebt einen gewissen Geruchsverlust, oft langsam, über Jahre. Es kann so subtil anfangen, dass ma sich einredet, Essen schmeckt halt nimma so intensiv, oder die Restaurants salzen heutzutage einfach zu viel. Freunde schwärmen von einem Parfum, einer Kerze, einem Essen – und man nickt mit, fühlt sich irgendwie einen Takt daneben, weiß aber ned recht, warum. Seien wir ehrlich: Die wenigsten marschieren zur Hausärztin oder zum Hausarzt, weil die Suppe a bissl fad is.

Und trotzdem kann in dieser kleinen, stillen Veränderung eine ernste Botschaft stecken. Ned immer. Ned einmal in den meisten Fällen. Aber oft genug, dass Neurolog*innen – ruhig und bestimmt – immer wieder sagen: Hinschauen. Weil für viele Menschen der fehlende Hauch Kaffee oder Blumen der erste winzige Hinweis is, dass Parkinson schon Jahre vorher begonnen hat: bevor das Zittern kommt, bevor der schlurfende Gang kommt, bevor’s der Umgebung auffällt.

Warum so viele über 65 den Geruchssinn verlieren

Mit dem Älterwerden nimmt der Geruchssinn tatsächlich oft ab. So wie die Linsen in den Augen steifer werden und das Gehör die ganz hohen Töne verliert, werden auch die Nerven in der Nase manchmal weniger reaktionsfreudig. Es gibt weniger Rezeptoren für Gerüche, die Leitungen ins Gehirn arbeiten langsamer, und das Gehirn selbst schenkt dem Ganzen mitunter weniger Aufmerksamkeit. Jede*r Dritte über 65 hat messbaren Geruchsverlust – auch wenn er’s nie beim Namen nennt.

Dazu kommen die üblichen Verdächtigen, die sich übers Leben einschleichen: Jahre von leichten Nebenhöhlenproblemen, Allergien, Rauchen, Luftverschmutzung, bestimmte Medikamente – alles kann die Nase stumpfer machen. Ein paar g’scheite Virusinfektionen, vor allem die, die „auf den Kopf gehen“, können dauerhaft Schaden anrichten. Und dann is da schlicht der Verschleiß: Dieses feine System, das winzige Moleküle in der Luft in Erinnerungen und Geschmack verwandelt, war nie dafür gebaut, ewig ohne Kratzer durchzuhalten.

Wenn „nur das Alter“ ned die ganze Geschichte is

Das Tückische: Altersbedingter Geruchsverlust und krankheitsbedingter Geruchsverlust schaun von außen oft sehr ähnlich aus. Meist wacht man ned auf und riecht plötzlich gar nix mehr; eher wie ein Dimmer, der langsam runtergedreht wird. Damit is es unglaublich leicht, die Schultern zu zucken und zu sagen: „Najo, i werd halt älter“, und weiterzugehen. Oft merken’s die Angehörigen früher, wenn man plötzlich Chili-Flocken oder Salz draufhaut oder erstaunlich gelassen bleibt beim überkochten Abendessen.

Manchmal is das Muster aber anders: Der Verlust is plötzlich, deutlich, oder kommt gemeinsam mit anderen kleinen, leicht abgetanen Veränderungen: Verstopfung, sehr lebhafte Träume, leichte Steifigkeit, eine leisere Stimme. Das san ned die klassischen Parkinson-Zeichen, an die ma denkt – die zitternden Hände und die langsamen Schritte von den Plakaten. Aber diese ruhigere Phase, die „prodromale“ Phase, kann sich über fünf, zehn oder noch mehr Jahre ziehen, bevor die Bewegungsprobleme anfangen. Und oft geht der Geruchssinn als Erster.

Parkinson beginnt dort, wo ma’s ned erwartet

Lange Zeit hat man Parkinson vor allem als Bewegungsproblem g’sehen: eine Krankheit, die den Teil vom Gehirn betrifft, der Bewegung steuert, weil dopaminproduzierende Zellen absterben. Man hat sich starre Glieder vorgestellt, zitternde Finger, ein Gesicht, das weniger Mimik zeigt. So schaut’s oft später aus, wenn die Krankheit schon jahrelang im Hintergrund mitgelaufen is.

Dann haben Forschende Muster erkannt. Wenn man Gehirne von Menschen untersucht hat, die Parkinson g’habt haben, war der Schaden ned nur in den Bewegungszentren. Er war auch im Riechkolben (olfaktorischer Bulbus) – vorne, zuständig fürs Riechen – und im Nervensystem vom Darm. Symptome wie Verstopfung, Träume im Schlaf „ausagieren“ oder Geruchsverlust sind oft lange vor den klassischen Zeichen aufgetaucht. Fast so, als würd sich die Krankheit über Seitentüren ins Gehirn schleichen, die keiner am Schirm g’habt hat.

Das „stille“ Warnzeichen, das alle ignorieren

Geruchsverlust, Hyposmie, gilt mittlerweile als eines der stärksten frühen Warnzeichen für Parkinson. Keine Garantie – viele Menschen mit Geruchsverlust bekommen nie Parkinson – aber ein deutliches Warnsignal im Kontext. Manche Studien deuten drauf hin, dass Menschen mit starkem, unerklärlichem Geruchsverlust ein mehrfach erhöhtes Risiko haben, später Parkinson zu entwickeln, im Vergleich zu Menschen mit normalem Geruchssinn. Als würd die Krankheit leise im Hintergrund proben, bevor sie ins Rampenlicht tritt.

Die Gemeinheit daran: Dieses Warnzeichen tut ned weh, schreit ned, reißt einen ned aus dem Alltag. Man kann weiter einkaufen gehen, den Hund ausführen, mit Freunden plaudern. Man riecht nur die feuchten Blätter nach dem Regen nimma ganz so wie früher. Und weil’s sich ned wie ein Notfall anfühlt, erwähnen viele das bei der Ärztin oder beim Arzt gar ned.

Warum Riechen wichtiger is, als ma glaubt

Am Papier wirkt Riechen wie ein „Nice-to-have“. Wenn man’s Sehen verliert, wird die Welt eng; wenn man’s Hören verliert, wird jedes Gespräch zum Rätsel. Wenn man’s Riechen verliert – naja, dann isst man halt schärfer, oder? Das is die höfliche Geschichte, mit der ma etwas kleinredet, das in Wahrheit viel tiefer in den Alltag eingewoben is.

Geruch hängt an Erinnerungen auf eine Art, die fast unfair is. Der Duft von frisch g’mähtem Gras, die Handcreme von der Oma, Desinfektionsmittel im Schulgang, Meeresluft am Ende einer langen Autofahrt – das san Abkürzungen direkt ins Gefühl. Wenn der Geruchssinn nachlässt, verschwimmen diese Abkürzungen. Viele beschreiben, dass sie sich seltsam entkoppelt fühlen von der Umgebung, als wär die Welt ungefragt auf „leise“ g’stellt. Essen wird flacher – das kann heißen: weniger essen, abnehmen, oder stattdessen Zucker und Salz nachjagen, um überhaupt noch Genuss zu spüren.

Und dann gibt’s die ernsthafte, praktische Seite, über die kaum geredet wird: Gas, Rauch, verdorbenes Essen oder Körpergeruch ned zu riechen kann gefährlich und peinlich sein. Manche ältere Menschen werden unsicher beim Kochen, beim Rausgehen, bei der Frage, ob die Kleidung eh sauber genug is. Dieser langsame Tropfen Sorge summiert sich. Es geht ned nur darum, den Rosenduft zu vermissen – sondern um Sicherheit, Selbstvertrauen und das Gefühl, im eigenen Körper daheim zu sein.

Is es nur eine Verkühlung … oder mehr?

Wir kennen’s alle: Eine g’scheite Verkühlung oder Grippe blockiert alles, und plötzlich schmeckt nix. Man steht über einer Curry-Schüssel, die fantastisch ausschaut, und es schmeckt wie warmes Kartonpapier. Und dann, nach ein, zwei Wochen, lichtet sich der Nebel und alles is wieder da. Das is normal. Das is die Nase, die kämpft – und sich dann erholt.

Anders – und beachtenswert – is Geruchsverlust, der ohne klaren Grund monatelang bleibt. Keine frische Infektion, keine massiven Nebenhöhlenprobleme, keine offensichtliche Allergie. Oder ein Geruchssinn, der nach einer Krankheit verschwunden is und nie mehr richtig zurückkommen will, lang nachdem Husten und Gliederschmerzen weg san. Wenn das bleibt, besonders bei Menschen über 60, sehen Ärzt*innen das zunehmend weniger als skurrile Nebenbemerkung und mehr als hilfreichen Hinweis – ein Teil von einem größeren Puzzle.

Das heißt ned, bei jeder Tasse Kaffee in Panik zu verfallen, wenn ma nix riecht. Es heißt: aufs Muster achten. Macht Essen Tag für Tag weniger Freude? Sind starke Gerüche wie Chlorbleiche kaum da? Gibt’s andere kleine Veränderungen – Verdauung, Schlaf, leichte Verlangsamung oder Steifigkeit, ein matteres Gefühl von „Spritzigkeit“? Ein Zeichen allein is selten die ganze Geschichte – aber es kann der Schubs sein, dass wer früher als später nachschauen lässt.

Was Ärzt*innen mit diesem Hinweis tatsächlich anfangen können

Da ist die etwas unangenehme Wahrheit: Wir haben noch keine Heilung für Parkinson. Keine Tablette, keine OP, die die Zeit zurückdreht und jede Zelle wiederherstellt. Darum fragen manche – oft leise: „Was bringt’s, das früh zu wissen?“ Das is eine faire Frage, besonders wenn man schon genug Gesundheitssorgen und Schlagzeilen hinter sich hat.

Aber frühes Wissen verändert trotzdem viel. Ärzt*innen können Menschen mit deutlichem Geruchsverlust und anderen frühen Zeichen enger beobachten und Bewegungsprobleme sofort erkennen, sobald sie auftauchen. Therapien – von Medikamenten über Trainingsprogramme bis zu Logopädie – wirken am besten, wenn man startet, bevor der Körper über unzählige kleine Umwege kompensiert hat. Und es gibt klinische Studien, die Wege suchen, die Krankheit in der allerfrühesten Phase zu verlangsamen oder vielleicht sogar zu stoppen – und dafür braucht’s Menschen genau in diesem stillen Fenster vor der Diagnose.

Auch persönlich hilft frühe Aufmerksamkeit: planen statt panisch werden. Arbeit anpassen, Finanzen ordnen, Wohnsituation überlegen, die „schwierigen“ Gespräche führen, solange Energie und Klarheit noch stark san. Für Familien erklärt’s Veränderungen, die man halb bemerkt und im Stillen befürchtet hat. Und manchmal zeigt eine ordentliche Abklärung sogar: Parkinson is es gar ned – der Geruchsverlust kommt von etwas Einfacherem und Behebbarem, wie Polypen oder einer Medikamenten-Nebenwirkung. Diese Erleichterung wiegt auch was.

Wie man über Geruchsverlust redet, ohne sich deppert zu fühlen

An kleinen, diffusen Symptomen kann eine seltsame Scham kleben. Man will ned dramatisch wirken. Wegen stechendem Brustschmerz wird ohne Zögern ein Termin ausgmacht, aber bei etwas so Leisem wie „I riech mein Shampoo nimma“ zögert man. Besonders ältere Generationen, die mit einem stoischen Kodex aufgwachsen san: Zum Doktor geht man erst, wenn’s wirklich schlimm is. Das Ergebnis: Ein mögliches frühes Warnsignal kommt nie zur Sprache.

Ein Neurologe hat mir erzählt, er merkt oft, wer Gesundheitsnews liest: Das san die, die reinkommen und sagen: „Übrigens, mein Geruchssinn is irgendwie komisch worden.“ Er mag diese Termine – ned weil er wem unbedingt eine Diagnose geben will, sondern weil’s Raum schafft für einen vollständigen, ehrlichen Blick. Dann kann er nach Schlaf, Stimmung, Verdauung, Gangbild, Medikamenten fragen – all dem unglamourösen Zeug, das in Summe ein klares Bild ergibt. Das is Welten besser, als wenn Leute erst Jahre später kommen, wenn Steifigkeit und Stürze schon zum Alltag gehören.

Wenn Sie über 60 san und eine echte, anhaltende Veränderung beim Riechen bemerken, is es kein „Fuzerl“, das bei der Hausärztin oder beim Hausarzt anzusprechen. Es is aufmerksam sein. Ein einfacher Satz reicht: „Mein Geruchssinn hat in den letzten zwölf Monaten deutlich nachlassen, und i hab g’lesen, dass das mit manchen Erkrankungen wie Parkinson zusammenhängen kann.“ Sie diagnostizieren sich damit ned selbst – Sie geben Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mehr Information, mit der man arbeiten kann.

Leben mit der Unsicherheit

Jetzt kommt der Teil, den keiner mag: Manchmal lautet die Antwort – auch nach Tests, Scans und genauer Durchsicht – „Wir wissen’s noch ned.“ Geruchsverlust kann ein Warnzeichen sein, eine harmlose Eigenheit oder Teil einer ganz anderen Krankheit. Medizin hat trotz Maschinen und Messwerten viel mit Beobachten und Abwarten zu tun. Dieses Dazwischen is schwer. Wir san ned dafür gebaut, mit „vielleicht“ bequem zu sitzen.

Aber man kann’s auch anders sehen. Zu wissen, dass Geruchsverlust Bedeutung haben kann, heißt ned, in jedem faden Essen den Untergang zu sehen. Es heißt, ein bissl ehrlicher zu sein – und weniger still – mit dem eigenen Körper. Fragen stellen, auch wenn’s unangenehm is. Bei älteren Eltern oder Partner*innen nachhaken, wenn plötzlich das ganze Abendessen in Chili ertränkt wird oder der Rauch vom Griller nimma g’riecht wird.

Parkinson war früher etwas, worüber man erst geredet hat, wenn es sich schon quer über ein Leben drübergelegt hat. Jetzt lernen wir, auf die Flüsterei zu achten: das leichte Schlurfen, die unruhige Nacht, der fehlende Duft vom Morgenkaffee. Ausgerechnet die Nase is zu einer der frühesten Erzählerinnen in dieser Geschichte worden. Und wenn man das einmal weiß, is es schwer, bei der nächsten Tasse Tee ned ein bissl näher hinzulehnen und den eigenen Körper still zu fragen: Was willst du mir sagen?

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