Der E-Mail bleibt unbeantwortet, der Pitch wird abgelehnt, die Waage zeigt a Zahl, die dir ned taugt, und auf amoi fühlt si der Raum z’kloan an. Du klappst den Laptop zua, nimmst dein Handy, scrollst durch die glänzenden Erfolgsg’schichten von anderen und entscheidest im Stillen, dass ma über heit lieber ned redt. Is eh g’scheiter so. Vergessen, weiter, morgen no amoi probieren. Oder?
Vor ein paar Monaten hat ma wer was Skurriles g’zeigt: a Notizbuch, voll – aber nur mit Fehlschlägen. Ka Siege, ka Dankbarkeitslisten, ka „drei Dinge, auf die i heut stolz bin“. Nur „des verhunzt“, „des Falsche g’sagt“, „vier Stunden lang den Fokus verloren“. Es hat ausg’schaut wie a Tatort. Und trotzdem: Die Person, der des Notizbuch ghört hat, hat Ziele für a ganzes Jahr in sieben Monaten erreicht. Da hab i angefangen, genauer hinz’schauen, warum Leute mit am Fehler-Tagebuch scheinbar schneller vorankommen als der Rest von uns.
Die leise Kraft, aufzuschreiben, was schiefg’laufen is
Wir lern’n von klein auf, Fehler zu verstecken. Rote Kreuze am Hausübung, peinliche Stille nach ana falschen Antwort, des heiße Brennen im G’sicht, wennst in der Öffentlichkeit über deine eigenen Füß stolperst. Drum fühlt si die Idee, dass ma si am Abend hinsetzt und ganz ruhig die eigenen Fehlschläge auflistet, fast grausam an. Wer will die schlimmsten Teile vom Tag absichtlich no amoi durchleben?
Und genau des machen aber immer mehr Leute, die viel leisten. Sportler:innen, Gründer:innen, Student:innen, sogar ein paar übermüdete Eltern, die aufhör’n woll’n, die Kinder anzuschrein. Die führen a kleines Notizbuch oder a Notiz am Handy, wo’s in ganz normaler Sprache aufschreiben, was schlecht gangen is. Ned dramatisch, ned aus Selbsthass, sondern als Daten. Einfache Sätze wie: „Laufen ausg’lassen, weil i 45 Minuten TikTok g’scrollt hab.“
Das Spannende: Wie Forscher:innen begonnen haben, auf diese Gewohnheit zu schaun, is a Muster sichtbar worden. Leute, die irgendeine Form von Fehlerjournal führen, bleiben öfter an ihren Plänen dran und erreichen ihre Ziele deutlich schneller. Ein Coach, mit dem i g’redt hab, trackt des bei seinen Klient:innen und schwört: „Ungefähr neun von zehn, die ihre Patzer wirklich aufschreiben, sind fast um die Hälfte schneller dort als die, die’s ned tun.“ Die genaue Prozentzahl schwankt im echten Leben sowieso – aber der Trend is eindeutig: Wennst deine Fehler benennst, werden’s kleiner, und du wirst schneller.
Scheitern is nimma das Monster unterm Bett
Jede:r kennt den Moment: Du weißt, du hast’s vergeigt, und du … denkst einfach nimmer drüber nach. Du machst im Kopf die Tür zu und stellst no an Sessel dagegen. Das Problem: Was du ned anschaust, steuert di leise weiter. Du wiederholst des gleiche Verhalten, weil du nie lang genug dabei bleibst, um zu verstehen, was eigentlich passiert is.
A Fehlerjournal schaltet des Licht ein. Du siehst denselben Fehler dreimal in ana Woche aufg’schrieben, und plötzlich is des ka moralischer Makel, sondern a Muster. „Aha, i spreng meine Diät immer nach späten Meetings.“ „I verlier meine Schreibzeit immer, wenn i als Erstes E-Mails aufmach.“ Dieser kleine Akt vom Aufschreiben verändert die G’schicht von „i bin unfähig“ zu „dieses konkrete Ding bringt mi immer wieder zum Stolpern“. So klein des klingt: Genau dort fangt an, dass Leute ihr Verhalten anpassen statt ihren Charakter zu zerfetzen.
Warum übers Scheitern schreiben das Hirn für di arbeiten lässt – statt gegen di
Wennst alles nur im Kopf behältst, macht dein Hirn, was es am liebsten tut: Es übertreibt. A schlechte Präsentation wird zu „i bin furchtbar im Reden vor Leuten“. A ausgelassene Gym-Session wird zu „i hab ka Disziplin“. Der Kopf is a Drama-Queen, wenn ma ihn ned herausfordert. Das Papier hingegen is unangenehm wörtlich. Es zeigt, was passiert is – ned mehr und ned weniger.
Genau aus dem Wechsel – von kreisenden Gedanken zu bodenständigen Wörtern – kommt die Geschwindigkeit. Dein Hirn muss aus dem Gefühlsnebel raus und sagen: Was is da wirklich schiefg’laufen? War i müde? Unklar? Hab i mir für an Tag z’viel vorgenommen? Wenn das Ereignis einmal schwarz auf weiß festg’pinnt is, rinnt die emotionale Ladung langsam ab. Du spürst den Fehler nimmer nur – du untersuchst ihn.
Und dann passiert no was Subtileres: Jedes Mal, wennst an Fehler aufschreibst und das Unangenehme aushältst, lernt dein Hirn, dass Fehler wehtun, aber ned tödlich san. Der Angst-Regler geht a Stufe runter. Du gehst a bissl mutiger Risiken ein: Du pitchst die Idee, schickst die Nachricht, startest den Lauf. Du wirst schneller, weil du nimmer so krampfhaft an der Illusion von Perfektion festhältst.
Gefühl wird Information
Auf der Seite kann „i hab das Interview verhunzt“ zu „i bin eingefroren, wie’s nach an Beispiel g’fragt haben, weil i mir vorher ka Stories vorbereitet hab“ werden. Gleiches Ereignis, komplett andere Nützlichkeit. Gefühl wird Information. Das is der Rohstoff für Fortschritt. Ohne den hoffst nur, dass es nächstes Mal anders wird, ohne am Drehbuch was zu ändern.
Und seien ma ehrlich: Ka Mensch macht des jeden einzelnen Tag ohne Ausfall. Man vergisst’s, man kippt raus, man is auf Urlaub und will nix Ernstes denken. Die, die Ergebnisse sehn, san ned perfekt im Dokumentieren – es san die, die nach am Wackler wieder zum Notizbuch zurückkommen. Das Zurückkommen – dieses „okay, was is diese Woche schiefg’gangen?“ – is a eigene, stille Form von Mut.
Die 91%, die dranbleiben, machen eine Sache anders
Wie i a paar Leute g’fragt hab, die wirklich a Fehlerjournal führen, was sie dranbleiben lässt, hat niemand von Willenskraft g’redt. Kein einziges Mal. Es is ned um Disziplin im machohaften 5-Uhr-Wecker-Sinn gangen. Es is um Erleichterung gangen. Um a seltsame Leichtigkeit, die daherkommt, dass ma nimmer so tun muss, als würd ma eh alles zerreißen.
Ein Gründer hat sein Abendritual beschrieben: Wasserkocher zischt, des leise Kratzen vom Stift, im Hintergrund das sanfte Brummen vom Kühlschrank. „I schreib einfach auf, was i heut verbockt hab“, hat er g’sagt. „Es is, als dürft i die Show ablegen. I muss es ned ins Positive drehen. I sag einfach die Wahrheit.“ Diese Ehrlichkeit kann süchtig machen. Wennst in deinem eigenen Notizbuch dein Ego ned beschützen musst, tauchst öfter dort auf.
Die 91%, die bei der Gewohnheit bleiben, machen meistens a einfache Sache: Sie halten’s klein und unspektakulär. Maximal drei Zeilen. Ka aufwendigen Prompts, ka farbcodierten Reflexionen, ka Druck, jedes Mal „die Lehre“ finden zu müssen. Nur a kurzer Eintrag. A Mikro-Beichte. Paradoxerweise hält grad dieser low-pressure Zugang die Gewohnheit lang genug am Leben, dass sie wirklich was verändert – wie sie arbeiten und wie sie leben.
Sie notieren ned nur – sie passen was an
Da is no a leiser Unterschied: Die Leute, die Richtung Ziel beschleunigen, bleiben ned bei „i hab’s vergeigt“ stehen. Sie hängen eine winzige Anpassung dran. „Wecker zehn Minuten früher, damit i ned hudel.“ „Laufschuhe zur Tür stellen.“ „An Schreib-Tagen keine Meetings nach 16 Uhr.“ Die Aktion is fast lächerlich klein – und genau drum passiert’s auch wirklich.
Da schleicht si das „40% schneller“ rein. Kleine Korrekturen, täglich gemacht, verzinsen sich anders als heroische Neujahrsvorsätze einmal im Jahr. Stell dir a Flugzeug vor, das von London abhebt und nur um a paar Grad danebenliegt. Wenn’s so weiterfliegt, landet’s in am komplett anderen Land. Genau des machen tägliche Mikro-Anpassungen mit deiner Lebensflugbahn: Still, stetig, verändern’s, wo du am End ankommst.
Der emotionale Peitschenhieb, wenn ma si selbst anschaut
Es gibt a weniger saubere Seite an dem Ganzen. Manche Abende tut’s richtig weh, die eigenen Fehlschläge aufzuschreiben. Du siehst, dass du dir vier Tage hintereinander dasselbe Versprechen gebrochen hast, und es haut di emotional z’samm. „Bin i wirklich so? So wer, der sagt, er macht was, und macht’s dann doch ned?“ Die Brust wird eng, der Kiefer spannt si an. Da gibt’s ka Dopamin-Kick, nur das unangenehme Gewicht von Ehrlichkeit.
Und trotzdem kann genau da was fast Zärtliches auftauchen. Wennst aufhörst zu übertreiben und deine Kämpfe in klaren Details siehst, merkst auf einmal Kontext. „I hab meinen Partner wieder ang’schnautzt“ steht neben „Nur 4 Stunden g’schlafen und Mittagessen ausg’lassen.“ Der Fehler is noch da – aber er is nimma a schwebender, schamgetränkter Fakt. Er hat Wurzeln. Und wennst die Wurzeln siehst, kannst in andere Erde gießen.
Das Ziel von am Fehlerjournal is ned, dassd di bestrafst – sondern dassd dir begegnest. Ned der Instagram-Version, ned dem polierten Lebenslauf, sondern dem müden, hoffnungsvollen, chaotischen Menschen, der’s probiert. Diese Begegnung is emotional. Manchmal kommen Tränen, manchmal a dunkles Lachen. Und ab und zu schaust aufs Blatt und denkst: „Ehrlich – bei der Woche wundert’s mi, dass i überhaupt noch steh.“ Auch das is Fortschritt.
Scham vs. Verantwortung
Durch diese Praxis geht a feine Linie: die Linie zwischen Scham und Verantwortung. Scham sagt: „I bin schlecht.“ Verantwortung sagt: „I hab was getan, das ned funktioniert hat.“ A Fehlerjournal kann in beide Richtungen kippen – je nach Ton. Die, die schneller vorankommen, schreiben wie Ermittler:innen, ned wie Ankläger:innen.
„Wecker überhört. Wieder am Abend g’scrollt“ klingt anders als „i bin faul und hoffnungslos“. Das eine lässt die Tür für Veränderung offen; das andere knallt’s zua. Wennst das probierst und merkst, wie dein innerer Kritiker übernimmt, kannst wortwörtlich die Schreibweise ändern. Wechsel von „i bin“ zu „i hab“. Von „i immer“ zu „diesmal“. Dieser winzige Edit am Papier formt die Erzählung im Kopf.
Warum Scheitern ignorieren alles langsamer macht
Denk dran, was meistens passiert, wennst deine Fehler ned anschaust. Du verpasst a Deadline, fühlst di kurz mies, lenkst di mit Netflix oder Arbeit oder Essen ab und schwörst dann, dassd „nächstes Mal besser“ bist – ohne wirklich was zu ändern. Tage verschwimmen. Muster werden hart. Sechs Monate später ringst noch immer mit denselben Problemen, nur müder und a Spur zynischer.
Fehler ignorieren is ned neutral, es is teuer. Es kostet Zeit, weilst die gleichen vermeidbaren Patzer wiederholst. Es kostet Energie, weilst vage Angst mitschleppst statt klarer, spezifischer Information. Und es frisst langsam dein Selbstvertrauen an, weil a Teil von dir genau weiß, dassd vor dem ganzen Bild davonläufst. Dieser Widerstand is langsam, aber sehr real.
Wennst anfängst, deine Fehlschüsse zu notieren, nimmst Reibung raus. Du verschwendest weniger Kraft fürs Selbstzweifeln und mehr für Handlung. Eine Frau hat ma g’sagt, sie hat sich „mindestens a Stunde am Tag“ von ihrer Doom-Spiral-Zeit runtergeschnitten, nur indem sie aufg’schrieben hat, was schiefg’gangen is, und eine Sache, die sie morgen anders probieren will. Das san sieben Extra-Stunden pro Woche für Fortschritt. Keine Produktivitäts-App kommt an so eine radikale Klarheit ran.
Wie du a Fehlerjournal anfängst, ohne dassd a große Sache draus machst
Wenn dich die Idee zieht, brauchst ka schickes Notizbuch und ka ausgeklügeltes System. A schircher Block, die Rückseite von am Kuvert, a Notiz am Handy – alles passt. Such dir a Tageszeit aus, wo du meistens ned in zehn Richtungen zerrissen wirst – später Abend is oft am einfachsten. Und dann beantwortest kurz drei Fragen:
„Was hab i mir für heut vorgenommen?“ „Was is tatsächlich passiert?“ „Was könnt i morgen ändern?“ Mehr ned. Ka lange Essays, ka Bullet-Journal-Kunst, ka Druck, g’scheit klingen zu müssen. Das Ziel is Ehrlichkeit, ned Poesie. Du machst dir nur a kleines tägliches Foto von der Lücke zwischen Plan und Realität.
Nach aner Woche oder zwoa tauchen Muster auf. Vielleicht häufen sich die verpassten Workouts an Tagen mit späten E-Mails. Vielleicht kriegt jedes Mal, wennst zu ana spontanen sozialen Sache Ja sagst, dein großes Projekt eine auf den Deckel. Du wirst sehn, dass dein „Mangel an Disziplin“ oft einfach schlechtes Design is. Das is irgendwie tröstlich. A Leben kann ma umgestalten. A Persönlichkeit kannst ned über Nacht zaubern und komplett umdrehen.
Am Papier scheitern, damit’s im echten Leben klappt
Es hat fast was Rebellisches, wennst dich entscheidest, die Teile zu dokumentieren, für die du di schämst. In ana Kultur, die auf Highlights und humblebrags abfährt, is a Fehlerjournal a private Widerstandshandlung. Es sagt: I werd mi ned zur Verbesserung hinüber-schwindeln. I schau ehrlich hin, lern schnell und pass an.
Leute, die das konsequent machen, san ned mutiger oder g’scheiter als alle anderen. Sie haben nur a kleine tägliche Gewohnheit aufgebaut, sich den Teilen zu stellen, vor denen die meisten wegschauen. Und diese Gewohnheit verzinst sich: schnellere Entscheidungen, weniger wiederholte Fehler, und a ruhige Form von Selbstvertrauen, weilst weißt, dassd deine eigenen Fehltritte überleben, untersuchen und dran wachsen kannst.
Du musst die „91%“-Zahl ned glauben, damit du den Sog spürst. Mach die Augen zua und stell dir dein Leben in einem Jahr vor – wenn du deine Fehler mit derselben Intensität verstehen würdest, mit der du dir deinen Erfolg ausmalst. Die Lücke zwischen diesen zwei Bildern? Genau die könnt a zerknittertes, tintenfleckiges kleines Notizbuch still und leise füllen.
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