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Wenn du diese Gemüse im Dezember nicht aussäst, verpasst du eine wichtige Chance.

Hände pflanzen Samen in einem Topf. Im Hintergrund Pflanzensamen, ein Kalender und eine Gießkanne auf dem Tisch.

Die Gartentürln bei den Schrebergärten knallen im Dezember a bissl härter zu. Die Händ bleiben kürzer am Griff, der Atem steht in der Luft, und die meisten gehen an den leeren Beeten vorbei, als wär die Saison vorbei. Am Zaun hörst dann immer wieder den gleichen Satz: „Im Frühling fang i wieder an.“
Und genau dort verlieren so viele Gärtner:innen still und leise eine ganze Erntesaison.

An einem grauen Morgen Anfang Dezember hab i ein älteres Paar beobachtet, wie’s Samensackerln auf der Motorhaube ausgebreitet hat: Spinat, Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln. Das Nachbarstück war perfekt gejätet, Werkzeug sauber aufgereiht und … komplett kahl. Keine Samen, keine Jungpflanzen, nix. Zwei Arten, mit dem Winter umzugehen – nebeneinander. Eine davon isst im März eigenes Gemüse. Die andere wartet noch.

Der Dezember is kein toter Monat. Er is a geheime Tür.

Das stille Rennen, das ma im Winter ned sieht

Im Dezember liegt a seltsame Ruhe über vielen britischen Parzellen. Das Gred dreht si von „Was säst du grad?“ zu „Dann bis im Frühling.“
Ironischerweise rennt das eigentliche Rennen längst – unter der Erde.

Während dir der Frost in die Fingerspitzen beißt, bauen Samen, die im kühlen, feuchten Boden stecken, ganz leise Wurzeln auf. Saubohnen sind eines der klarsten Beispiele. Im Dezember gesät, schieben’s kräftige Wurzelsysteme, während Nacktschnecken eher träge sind und schwarze Blattläuse noch nirgends. Im Mai sind diese frühen Reihen oft schon brusthoch, während im April gesäte Pflanzen noch zögern. Oben kurze Tage. Unten Vollbetrieb auf der Baustell.

Genauso is es mit Knoblauch und überwinternden Zwiebeln. Du steckst jetzt a paar Zehen oder kleine Steckzwiebeln, gehst wieder, und der Winter erledigt die schwere Arbeit. Es schaut aus, als würd nix passieren. In Wahrheit is es gratis Arbeit vom Wetter.

Es gibt a Zahl, die überrascht neue Gärtner:innen fast immer: Viele UK-Anbauer:innen, die Saubohnen, Knoblauch und robuste Salate im Spätherbst oder im Dezember säen, berichten von Ernten drei bis sechs Wochen früher als ihre Nachbar:innen, die nur im Frühling starten.
Das is ka Kleinigkeit. Das is fast a ganzer Monat extra frisches Essen.

Red mit den alten Hasen auf irgendeinem Schrebergarten, und du hörst den gleichen leisen Stolz: „Die waren noch vor Weihnachten drin.“ Ein Grower aus Leeds hat mir zwei Knoblauchbeete gezeigt: eins Mitte Dezember gesteckt, eins im März. Im Sommer hatte das Dezember-Beet dickere Stängel und größere Knollen. Gleicher Boden. Gleiches Gießen. Nur a andere Beziehung zum Winter.

Auf einem kleinen Balkon in Bristol hat a junges Paar was Ähnliches mit Salat probiert. Sie haben winterharten Kopfsalat und Rucola in eine Kistn gesät und mit einer einfachen Plastikhaube abgedeckt. Im frühen Frühling, während im Supermarkt die Preise raufgangen sind, haben’s Schüssel um Schüssel eigene Blätter geschnitten. Freund:innen haben geglaubt, das war irgendein komplizierter Trick. War’s ned. Sie haben’s nur früher gemacht.

Warum zählt der Dezember so stark? Es geht um Timing und um a Art Pflanzenrhythmus. Ja, Pflanzen haben so was wie einen Takt.
Robuste Gemüsesorten wie Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln, Erbsen für Sprossen, Spinat, Vogerlsalat und manche Wintersalate sind dafür gebaut, Kälte auszuhalten.

Wenn du die im Dezember säst, schießen sie ned sofort ins Blatt. Sie bleiben flach, investieren in Wurzeln und zähe kleine Stängel und halten das Schlimmste vom Wetter aus. Wenn Tageslicht und Wärme zurückkommen, haben sie schon einen stabilen „Motor“ und können explosionsartig wachsen. Säst du die gleichen Samen im März, bauen sie den Motor, während sie gleichzeitig Richtung Blüte sprinten. Weniger Zeit, mehr Stress. Kleinere Erträge.

Und dann gibt’s noch den Joker: Schädlinge. Schnecken und Blattläuse sind im Winter langsam. Was du jetzt säst, keimt in einer ruhigeren, weniger feindlichen Umgebung. Wenn die Schädlinge munter werden, sind deine Pflanzen Teenager statt Kleinkinder. Dieser Unterschied entscheidet oft, wer erntet: du oder die Natur.

Was du im Dezember säen kannst – und wie, ohne dass dir die Finger abfrieren

Jetzt wird’s konkret. Du musst deinen Garten ned in a militärische Operation verwandeln. Du brauchst nur ein paar g’scheite Handgriffe, die in kurze, kalte Zeitfenster passen.

Fang mit Saubohnen an. Nimm a robuste Sorte (Aquadulce Claudia ist ein Klassiker) und sä in gut drainierten Boden – oder in tiefe Multitopfplatten, wenn dein Boden vernässt ist. Drück die Samen etwa 5–7 cm tief rein, mit ungefähr 20 cm Abstand, und deck zu. Fertig.
Knoblauch ist noch einfacher. Teil die Knolle in Zehen und steck jede Zehe mit der Spitze nach oben, 3–4 cm tief, etwa 10–15 cm auseinander. Das Beet leicht antreten, damit’s andrückt.

Für Töpfe oder kleine Flächen nimm tiefe Töpfe oder Kistn für winterharte Blattgemüse: Vogerlsalat, Spinat, Winter-Salatmischungen, sogar Erbsen nur für Sprossen/Triebe. A bissl Vlies oder ein klarer Plastikdeckel macht aus einer kalten Terrasse kurzfristig ein Mini-Gewächshaus. Du säst einmal und lässt Dezember, Jänner und Februar den langweiligen Teil erledigen.

Die Wahrheit, die kein Hochglanz-Gartenbuch gern sagt: Im Dezember sind die meisten von uns müde. Um vier wird’s finster, Termine stapeln sich, und die Couch gewinnt.
Also muss dein Dezember-Plan realistisch sein.

Nimm ein Beet oder ein paar Kübel. Ned zehn. Eins für Saubohnen und Knoblauch, vielleicht noch eins für Wintersalate. Wenn du das machst, bist du schon an 80% vorbei, die den Garten bis zum Frühling mental zusperren.

Typische Fehler? In gefrorenen oder patschnassen Lehmboden säen, wo Samen eher verfaulen als wurzeln. Zarte Sorten nehmen, die Winter eigentlich ned mögen, und dann sich selber die Schuld geben, wenn’s schmollen. Töpfe ungeschützt im Starkregen stehen lassen, bis alles zur kalten Suppe wird. Die einfache Lösung: Hochbeet oder Kübel mit guter Drainage und bei harten Phasen a Schicht Vlies oder klare Folie drüber. Und wenn ein harter Frost kommt, musst du ned um Mitternacht den Helden spielen. Pflanzen können viel ab – sie brauchen nur a kleinen Vorsprung.

Ein älterer Gärtner aus Norfolk hat mir einen Satz gesagt, der hängenblieben ist:

„I sä im Dezember ned, weil i g’scheit bin. I sä dann, weil i faul bin. I will, dass der Boden arbeitet, während i drin sitz.“

Da steckt a ruhige Entspannung drin. Du jagst keiner Perfektion nach; du baust a Partnerschaft mit der Zeit auf.

Damit’s einfach bleibt, denk über Dezember-Saat so:

  • Robuste Kulturen wählen: Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln, Spinat, Wintersalate.
  • Gut drainierte Beete oder tiefe Gefäße nutzen – niemals in kaltem stehenden Wasser.
  • Mit Vlies oder einem niedrigen Tunnel abdecken, wenn’s bei dir scharfe Fröste oder viel Regen gibt.
  • Alles beschriften. Im Februar hast fix vergessen, was wo ist.
  • Weggehen und den Winter für dich arbeiten lassen.

An einem stillen, kalten Morgen fühlen sich diese kleinen Schritte überraschend erdend an. Du machst ned viel – und trotzdem verändern sich deine zukünftigen Teller schon.

Anders über „nächstes Jahr im Garten“ nachdenken

In der ganzen Dezember-Frage versteckt sich ein Mindset-Wechsel. Viele behandeln Gartln wie a Frühlingssportart. Man kauft Samen, wird euphorisch, macht große Pläne, sobald der erste warme Tag da ist.
Bis dahin sind die Winter-Säer:innen schon ein Kapitel weiter.

Dezember-Saat verlangt was anderes: ein bissl Vertrauen. Du arbeitest in einer Jahreszeit, die leer wirkt, für ein Ergebnis, das du noch ned sehen kannst. Das ist gleichzeitig verunsichernd und befreiend. An einem regnerischen Nachmittag, wo gefühlt nix vorwärtsgeht, Knoblauchzehen in kalten Boden zu stecken, ist a kleiner Akt des Trotz. Ein leises „noch ned“ gegen die Idee, dass alles warten muss.

Praktisch reden die, die den Winter so nutzen, oft weniger von „guten“ oder „schlechten“ Saisonen. Sie streuen ihr Risiko. Ein harter Frühling tut weniger weh, wenn schon tief verwurzelte Bohnen und Knoblauch weiterziehen. Es geht ned darum, perfekt zu sein. Es geht darum, ned jeden April wieder bei null anzufangen.

Kernpunkt Detail Nutzen für dich
Dezember ist ka Pause Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln und Salate können im Winter starten 3 bis 6 Wochen früher ernten als mit reiner Frühlings-Saat
Robuste Sorten wählen Gemüse verwenden, das Kälte und feuchten Boden aushält Weniger Ausfälle und Saatgutverluste
Den Winter arbeiten lassen Wurzeln wachsen, weniger Schädlingsdruck Weniger Aufwand, stärkere Pflanzen, sobald’s wieder wärmer wird

FAQ

  • Kann man in Großbritannien wirklich im Dezember säen? Ja – bei den richtigen Kulturen. Robuste Sorten von Saubohnen, Knoblauch, Zwiebeln, Spinat, Vogerlsalat und Wintersalaten kann man in weiten Teilen des UK im Dezember säen, besonders in milden oder küstennahen Regionen.
  • Was, wenn mein Boden patschnass oder gefroren ist? Nimm tiefe Multitopfplatten, Schalen oder Töpfe in einem Frühbeet, ungeheizten Glashaus oder auch in einer hellen, geschützten Ecke. Rauspflanzen, sobald die Bedingungen besser sind.
  • Braucht man spezielle Wintersamen? Ned speziell – nur passend. Achte auf Begriffe wie „robust“, „winterhart“, „überwinternd“ oder eigene Wintersorten am Sackerl, besonders bei Salat, Zwiebeln und Saubohnen.
  • Ist es zu spät, wenn i den Dezember verpass? Vieles kannst du im Jänner oder Februar unter Abdeckung noch säen – aber je früher innerhalb des sicheren Fensters, desto besser die Wurzeln bis zum Frühling.
  • Wie viel Pflege brauchen Dezember-Saaten? Sehr wenig: ab und zu checken wegen Staunässe oder Schäden, und vielleicht a bissl Vlies bei extremem Frost. Seien wir ehrlich: Im Jänner steht kaum wer täglich draußen und betüttelt Pflanzen.

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