Zum Inhalt springen

Wie man mit Kritik im Job umgeht, ohne sie persönlich zu nehmen

Mann im Büro liest konzentriert ein Dokument, hält den Kragen, im Hintergrund arbeitet eine andere Person am Laptop.

Du kennst des heiße, prickelnde G’fühl hinter de Augen, wenn in da Arbeit wer „Feedback geben“ will?

De Inbox pingt, oder dei Chef*in sogt: „Hamma kurz Zeit zum Reden?“, und auf amoi klopft da Puls lauter ois da Büro-Drucker. Du nickst, du lächelst, du sogst „Jo eh, fix“, während drin a klane, dramatische Version von dir scho a Schachtl packt und verkündet, du bist offenbar komplett schlecht in deinem Job. Die meisten von uns glauben gern, ma is eh recht rational und professionell – bis wer an Fehler in ana Excel-Tabelle aufzeigt und’s si so anfühlt, als hätt’ ma grad die ganze Persönlichkeit bewertet und als mangelhaft eingstuft.

Kritik geht in da Arbeit oft überraschend tief, weil’s mit zwa sehr menschlichen Bedürfnisse kollidiert: dem Wunsch, g’mocht zu werden, und dem Wunsch, sich kompetent zu fühlen. Wenn des – und sei’s nur leicht – ang’stochen wird, schaltet da Kopf in Selbstschutz und baut G’schichten, die viel größer san als da Moment. Die guate Nachricht: Des is ka Zeichen, dass’d fragil bist oder ned taugst für „Erwachsenen“-Arbeitsplätze. Des is a Zeichen, dass’d a Mensch bist. Und sobald’d siehst, was da drin in deinem sehr menschlichen Hirn wirklich abläuft, schaut des ganze Thema Feedback auf amoi irgendwie … brauchbar aus.

Da erste Stich: was in deinem Kopf wirklich passiert

Stell da vor: Dei Chef*in ruft di in an klanen Besprechungsraum, der leicht nach Kaffee und dem Parfum von da letzten Person riecht. Sie schiebt dein aktuelles Projekt über’n Tisch und sogt: „Da gibt’s a paar Sachen, über die ma reden müssen.“ Sofort denkt dein Kopf ned: „Super, Lernchance.“ Er denkt: „I bin in Trouble.“ Da Raum wirkt enger, da Hals trockener, und jedes Wort klingt, als würd’s a geheime Angst bestätigen, die du seit da Schul mitdir umatragst.

Des liegt ned dran, dass’d dramatisch bist oder überempfindlich. Dein Gehirn is so verdrahtet, dass es soziale Ablehnung als a Art Gefahr behandelt – und Kritik fühlt si oft genau so an. Die Amygdala, also der Teil im Hirn für Bedrohungs-Erkennung, unterscheidet ned wirklich zwischen „Du host den Bericht verhauen“ und „Du riskierst, aus’m Stamm ausg’stoßen zu werden“. Drum kann sogar mildes Feedback den Kampf-/Flucht-/Erstarrungsmodus auslösen, und auf amoi wird aus ana Bemerkung zum Formatieren „Die hassen mi“ oder „I werd g’kündigt“.

Genau drum is da erste Schritt, Kritik ned persönlich zu nehmen, einfach zu benennen, was grad passiert: Du host a Bedrohungsreaktion, ka logische Bewertung von deinem Wert. Vielleicht wirst im G’sicht heiß, du spürst an Knoten im Magen oder a leichtes Summen in de Ohren. Statt des wegzudrücken: nimm’s wahr. Fast so, als würdest di von gegenüber beobachten und denken: „Aha, mei Hirn macht des Ding wieder.“ Des bissl Abstand is da Anfang von allem.

„I hab an Fehler gmacht“ trennen von „I bin a Fehler“

Wir alle kennen den Moment, wenn wer an Patzer aufzeigt und der innere Monolog sofort von null auf Melodrama springt. Es gibt ka Dazwischen. A Tippfehler wird zu „I bin mies im Detail.“ A verpasste Deadline wird zu „I kann ka Verantwortung tragen.“ Als hätt’ dein Hirn nur a Einstellung: Kritik = Charakter-Attacke.

Die leise Fähigkeit, die ma aufbauen kann, is: Verhalten von Identität trennen. „I hab den Punkt in da Präsentation übersehen“ is ned des Gleiche wie „I bin schlampig.“ Des Erste is a konkrete Handlung, die ma korrigieren kann; des Zweite is a pauschales, brutales Etikett, das meistens ned einmal stimmt. Du kannst des zuerst sanft im eigenen Kopf üben. Statt „I bin so deppert“ sag lieber: „I hab mi ned gscheit vorbereitet“ oder „I hab den Teil z’sehr g’hudelt.“ Gleiche Situation, komplett andere emotionale Wirkung.

Seien ma ehrlich: Ka Mensch schafft des jeden Tag. Die meisten erinnern si erst nach am Zusammenbruch dran – oder wenn a Freund*in uns bei an Glasl Wein wieder runterholt. Aber langsam, Satz für Satz, kannst du neu lernen, wie dein Kopf di definiert. Je mehr du mit dir selber in Begriffen von Entscheidungen und Handlungen redst statt in „fixen“ Fehlern, desto leichter wird’s, „Des braucht a Änderung“ zu hören, ohne heimlich zu übersetzen: „Du bist ned guat genug.“

Die G’schicht, die du da selber über Kritik erzählst

Von Angriff zu Information

Wenn Kritik landet, schreibt dein Hirn a G’schicht, noch bevor’d es überhaupt merkst. „Die respektieren mi ned.“ „Die mögen mei Kolleg*in lieber.“ „Die wollen mi rausdrängen.“ Oft is diese G’schicht viel schmerzhafter als des eigentliche Feedback. Vielleicht war’s nur um a Folie oder an Prozess gangen, aber dein Kopf zieht’s wie Kaugummi über deine ganze Karriere.

Es gibt aber a andere, weniger dramatische G’schicht: Kritik als Information. Ka Urteil, ka Persönlichkeits-Review, sondern Daten. Informationen, wie wer anderer deine Arbeit sieht oder wie a Ablauf reibungsloser laufen könnt. Du musst diese Information ned mögen, aber du kannst sie trotzdem nutzen. A Satz wie „Okay, des is einfach Input zu meiner Arbeit, ned zu meinem Wert“ klingt fast nervig vernünftig – und trotzdem kann’s die emotionale Temperatur um a paar Grad runterdrehen.

A Möglichkeit zum Umschalten is, dir direkt nach Feedback a einfache Frage zu stellen: „Wenn i so tun würd, als wär des überhaupt ned persönlich – was würd’s ma dann sagen?“ Dieser klane gedankliche Sprung kann aus am schmerzhaften Kommentar a Art Landkarte machen. Du kannst eh mit Teilen ned einverstanden sein – des is erlaubt – aber du stehst nimma nackt vor an Erschießungskommando. Du host a Blatt Papier in da Hand, das’d lesen, hinterfragen und vielleicht sogar verwenden kannst.

Der Check: „Um wen geht’s da eigentlich wirklich?“

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen